Mittwoch, 16. Dezember 2009

Warum ich aufgehört habe TV zu sehen

Ich habe aufgehört TV zu sehen.
Naja, manchmal läuft das Gerät noch, welches ich vor 4 Jahren für viel Geld erstanden habe. Aber ich sehe nicht wirklich hin. Warum ist das so?

Eigentlich habe ich Fernsehen immer schon gemocht, obwohl ich der "Generation C64" angehört und obwohl ich immer schon lieber gelesen habe als TV zu sehen. Allerdings ist das TV von heute nicht mehr mein TV.

Früher gab es am Wochenende Spielfilme, mitunter auch solche die man noch nicht zu Tode wiederholt hatte und daher noch sehenswert waren. Früher gab es weniger Werbung, die den Film nicht total zerstückelte. Früher waren manche Filme erst ab 22:00 oder gar ab 23:00 Uhr zu sehen, aber dafür ohne grosse und vollkommen sinnentstellende Schnitte.

Früher gab es Reportagen, Journalismus, Wissenschaftssendungen, die ihren Namen verdienten (nein, nicht Galileo!) und es gab ab und an sogar was "sehbares" auf den ÖR-Sendern.

Irgendwann hat das Fernsehen aber beschlossen es den Dinosauriern nachzutun und schlichtweg auszusterben. Habe ich mich früher auf meine Serien gefreut (wie Akte X, usw.) so habe ich heute schlichtweg keine Lust mehr sie im TV zu sehen. Nicht, dass ich die Serien von heute alle schlecht fände, es gibt gutes da draussen. Allerdings möchte ich, dass mich die Werbung in Ruhe lässt, ich möchte die Folgen in den richtigen Reihenfolge sehen (vgl. das Folgendurcheinander bei "Monk") und ich möchte die Serien sehen, wann ich es will und nicht wann der Sender meint sie ausstrahlen zu müssen.

Mein aktiver TV-Konsum liegt irgendwo bei 0 und 0,5% meiner Zeit. Dank solch innovativer Services wie des OnlineTV-Recorders lade ich mir Filme, Reportagen, Serien runter, dank automatischer Schnittliste wird die nervenaufreibende Werbung (die ich selber NIEMALS beachtet habe) rausgeschnitten und das Endprodukt auf Datenträger gebannt zur späteren Ansicht. So kann ich mir ansehen was ich will und wann ich es will.

Was mir der OTR nicht liefert, das liefern mir Streams und manchmal auch der eine oder andere Torrent. Zum Glück lebe ich in einem Land, in dem das nichtkommerzielle downloaden (noch) nicht von der Contentmafia kriminalisiert wird.

Nun aber zurück zum Thema: Ich schaue nicht mehr TV. Aber nicht, weil ich es wirklich nicht mehr will, auch nicht weil das Internet mich jederzeit mit allem versorgen könnte, was ich mir auch nur im entferntesten wünschen könnte. Nein, der Grund ist, dass TV-Programm und dessen Macher haben keinen Draht zu mir und meinen Wünschen. Sie machen Unterschichten- oder Hartz IV-TV (wie nachmittags auf Pro7 etc.), grausame Volksmusikspektakel oder den inzwischen scheintoten und vollkommen unwitzigen Thomas Gottschalk mit der Parodie einer Show die gar nicht mal so übel war (vor 20 Jahren).

Ich kann Harald Schmidt nicht mehr sehen, er kotzt mich an. Pocher ist ein No-Go, Barth möchte ich von Taliban gesteinigt sehen. RTL ist kein TV-Sender sondern eine Kommerzmaschine, die mit der Contentmafia (BMG, Sony, etc.) gemeinsame Sache macht und ein schier unerträglich schlechtes Fernsehprogramm liefert zusammen mit "Nachrichten" die diesen Namen schlichtweg nicht verdienen. Sat.1 ist tot, hat es aber noch nicht gemerkt und die andere Hälfte, Pro7 hat auch schon lange wenig mehr als Unterschichten-Proll-TV zu bieten, nähert sich also durchaus dem Niveau von RTL2.

So wende ich mich ab von einem Medium welches mich in meiner Kindheit begeisterte, in meiner Jugend durchaus fesseln konnte aber nun nur noch Abscheu erregt. Welch ein Müll der da für Geld produziert wird.

Wollt Ihr wissen, wie die Zukunft des deutschen TV aussieht? Werft einen Blick in meine Heimat Spanien, auf die Privatsender dort: Antena3, Tele5 usw. sind den Weg den die deutschen Sender seit wenigen Jahren beschreiten konsequent weitergegangen. Es ist nun eine endlose Medienmaschine, die sich um BigBrother-Teilnehmer dreht, die sich in Talkshows mit Teilnehmern unsäglicher Castingshows treffen um dort unterirdisch schlechte Talkshows zu produzieren, die dann in einem weiteren Format von TV-geilen Yellowpress-Journalisten kommentiert werden, mit Bemerkungen neben denen ein Dieter Bohlen wie ein Heiliger wirken könnte. Diese Produktionen autoalimentieren sich durch immer neu erzeuge Z-Promis und deren (inszenierte) Skandälchen.

Dies alles steht dem deutschen TV noch bevor, aber es wird kommen. Die Dokusoap--Formate einiger Sender gehen diesen Weg schon jetzt, er wird, wie in Spanien, konsequent zu Ende gegangen werden.

Mich hat das TV als Kunden, Zuschauer und sogar als Fan verloren.

Posted via email from rafaelwv's posterous

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