Montag, 17. August 2009

Als Individualismus zum Massenphänomen wurde

Die meisten Jugendbewegungen haben etwas mit "Individualismus" zu tun, es geht um Distanzgewinnung zur Elterngeneration, Selbstverwirklichung und dem Abschütteln überkommener Ansichten und Ideale.

Die meisten Jugendbewegungen definieren bisheriges als "uniform" und erschaffen neue (Sub-)Kulturen die als individuell, modisch, hip usw. etikettiert und dann vermarktet werden.

In dieser Hinsicht können wir die 68'er Bewegung durchaus als exemplarisch betrachten, allerdings mit der Besonderheit, dass diese Jugendbewegung ein wenig heftiger als sonst vonstatten ging.

Ziel aller dieser Strömungen war es also, sich zu differenzieren, anders zu sein, neu zu sein und vor allen: Nicht, auf gar keinen Fall, uniform zu sein. Daher solche Parolen wie: "Wer zweimal mit dem selben pennt, gehört schon zum Establishment!"

Allerdings liegt in allen diesen Bewegungen ein systemimmanenter Fehler: Bei allzu heftiger Distanzierung und Differenzierung läuft man Gefahr sich statt zu individualisieren, sich wieder zu kollektivisieren. Diesen Effekt kann man immer wieder beobachten.

Die Kleidung der 68'er die wider die Spiessigkeit und Uniformität demonstrieren sollte - doch nur wieder eine Uniform, wenn man sich die Massen gleich oder ähnlich gekleideter Menschen ansieht.

Dieser Trend hat sich immer wieder fortgesetzt, selbst in meinem Geburtsjahrgang (1977) konnte ich zu Jugendzeiten erleben wie man sich zwangsweise kleidungsmässig zu differenzieren suchte - mit dem Erfolg, das fast alle meine Klassenkameraden ähnlich gekleidet waren, bzw. sich bestimmte "Bekleidungsmuster" wiederholten.

Bis heute lebt der Trend zur "individualisierten Uniformierung" fort, Markenkleidung, Markenschuhe, bestimmte Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik (iPhone, iPod) bis hin zu bestimmten Autos bei bestimmten Bevölkerungsschichten deuten mehr auf eine tatsächliche Uniformierung hin als auf eine gelungene individuelle Darstellung.

Der Schüler, der heute den Schneid hat, in Stoffhose und Hemd, evtl. mit Jackett in die Schule zu kommen, dem gebührt die echte Hochachtung für eine gelungene Differenzierung, allerdings gleichfalls Mitleid für das mit Sicherheit erfolgende Mobbing. Doch warum?

Echte, also tatsächliche, Individualisierung ist gesellschaftlich unerwünscht und das zieht sich durch ALLE Altersschichten. Anders sein, unangepasst sein, das ist nicht mainstreamkompatibel. In einer Welt in der absolut alles und jeder mainstreamkompatibel zu sein hat, ist eine solche Differenzierung genauso mutig wie gefährlich.

Mainstream TV und Mainstream Radio, ergänzt durch viele Mainstream Internetangebote sind für den Mainstream-Menschen zugeschnitten. Also gefällt es jedem ein bisschen, aber keinem so wirklich richtig.

Mainstream Politik sorgt für das Ausbleiben der politisch und demokratisch so wichtigen Polarisierung, es spielt keine Rolle wen man wählt, es sind nur Ausprägungen des Mainstreams: Es gibt keine politische Abweichung vom Mainstream mehr, es könnte ja jemandem nicht gefallen.

Medien sind schon lange nicht mehr investigativ, man will den Mainstream nicht als Kunden verlieren.

Die Industrie vermarktet und produziert den Mainstream, wem es nicht passt oder nicht schmeckt, der gehört eben nicht dazu.

Wer aus dem Mainstream fällt, wer diese vernebelte Welt verlässt und sich selber Gedanken macht, wer sich seine eigene Meinung bildet und es eventuell sogar wagt diese zu äussern, der begibt sich auf einen langen, steinigen und manchmal schmerzhaften Weg. Ein Weg der sich lohnt, denn abseits des Mainstreams gibt es viel zu lesen, mehr zu hören und wahnsinnig viel zu lernen.

Freitag, 14. August 2009

Internetausdrucker des Tages: Oliver Markert vom Focus


Herr Markert ist ausdrücklich nicht wegen seinem hochintelligenten Gesichtsausdruck nominiert, sondern wegen dieses Machwerks auf Focus Online.

Den Purlitzer-Preis gewinnen Sie so nicht, Herr Markert! Denken Sie immer daran: Fakten, Fakten, Fakten und an den Wähler denken...