Freitag, 29. Januar 2010

Homöopathie - Ich hab' die Lösung!

Ich rege mich immer mal wieder über Pseudowissenschafter, Esotheriker und andere Blindgänger auf. Vor allem hat es mir aber die "ganzheitliche Medizin" und die Homöopathie angetan.

Ich möchte jetzt nicht den Wikipedia-Eintrag nachbeten oder über den "Erfinder" dieser "Heilungsmethode", Samuel Hahnemann herziehen, sondern einmal ganz und gar nüchtern zusammenfassen, was Homöopathie eigentlich ist, wie sie angeblich funktioniert und wo der Haken bei der ganzen Sache ist.

Kleine Anekdote zu Beginn: Hahnemann starb an einer Lungenentzündung die sich anscheinend mit homöopathischen Mitteln nicht heilen lies.

Nun aber in medias res:

Homöopathie ist eine rechte seltsame Lehre und angesichts des Wissens in "harten" Naturwissenschaften ist es verwunderlich, dass diese Heilkunst in zivilisierten Ländern (und ich meine explizit nicht die USA damit!) noch so populär ist.

Hahnemann sagte:  „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden" und meinte damit, wenn man ein bestimmtes Symptom bei einem "Gesunden" mit einer Substanz hervorruven könne, dann müsse eben diese Substanz gegen dieses Symptom bei einem Erkankten helfen, nachdem man diese Substanz einer gewissen Behandlung unterzogen hat um ein homöopathisches "Medikament" daraus zu machen.

Was Hahnemann einen "Gesunden" nennt ist dabei nicht wirklich klar definiert, wahrscheinlich jemand der nicht akut krank ist und nicht gleich tot umfällt. Gehen wir vom Allgemeinen medizinischen Wissen zu Hahnemanns Zeiten und von Hahnemanns medizinisches können im Speziellen aus, können wir davon ausgehen das ein "gesunder Mensch" nach Hahnemann atmet und ohne grössere Mühen aufrecht stehen kann.

Wenn also bei diesem "Gesunden" ein Symptom hervorgerufen werden konnte, dann konnte eben jene Substanz eine bestimme Krankheit heilen.

Dazu musste man diese Substanz "potenzieren". Und an dieser Stelle wird die Homöopathie zu einer recht komischen Geschichte, die mehr etwas mit Religion, also mit Glauben, als mit Wissen etwas zu tun hat.

Unter "Potenzierung" versteht der Homöopath die gezielte Verdünnung des ursprünglichen Wirkstoffes. Normale Menschen, Wissenschaftler, Schüler die etwas von der Avogadro-Konstante gehört haben wissen, dass jede Verdünnung an eine Grenze tritt, bei der man den Wirkstoff schlichtweg nicht mehr in der Lösung erhält, aber das ficht den Homöopathen nicht an, denn die Medizin wird STÄRKER je mehr man verdünnt. Klingt total irre, ist es dann aber auch.

Man arbeitet mit "Verdünnungen" in verschiedenen Abstufungen, so existieren D-Stufen (1:10 usw), C-Stufen (1:100 usw) bis hin zu Q-Potenzen. Vorstellen muss man sich das so:

D1 = 1:10 (d.h. 1 Teil "Wirkstoff" auf 10 Teile Lösungsmittel, meist Wasser oder Alkohol)
D2 = 1:100 (d.h. 1 Teil auf 100)
D3 = 1:1000 (1 Teil auf 1000)

"Echte" Homöopathen glauben an Wirksamkeit jenseits von D30, wobei anschaulicherweise D23 (unverhältnismässig stark für jeden echten Homöopathen) das Verhältnis etwa so aussieht:

1 Tropfen Wasser gelöst im gesamten Mittelmeer oder 1 einzelnes Wassermolekül in einem Fingerhut voll Wasser.

D.h. ab D23 wird die Chance auch nur 1 Molekül "Wirkstoff" zu ergattern reichlich unwahrscheinlich!

In einer Potenz D30 ist also nach allen Erkenntnissen der Wissenschaft nicht EIN EINZIGES Molekül Wirkstoff mehr enthalten? Was soll also bitte noch wirken?

Der Homöopath wird antworten: Die "Schwingung" der Substanz ist noch enthalten und nur die sei wichtig und entscheidend bei der Wirkung. Nun, wenn eine Lösung eine Schwingung enthält, dann möchte ich nicht wissen, wer alles auf der Welt die "homöopathischen Schwingen" meiner Klogänge zu sich genommen hat, vor allem wenn ich vorher ein gutes Chilli genossen habe.

Aber auch darauf hat der Homöopath eine Antwort: Nur wenn man eine Lösung richtig zubereitet, enthält sich diese Schwingungen.
Wir werden uns fragen, wie man etwas in Wasser oder Alkohol löst... wahrscheinlich rein damit und schütteln? Weit gefehlt, hier wird die Pseudowissenschaft noch abstruser:

10 mal horizontal schütteln...
10 mal vertikal schütteln...
und dann...
10 mal vor- und zurückschütteln

Erst durch diese Behandlung ist das "Medikament" wirklich gelöst.

Nochmal zum veranschaulichen: Wenn ein Heilpraktiker (Quacksalber, Kurpfuscher, Doktor Eisenbart) oder ein naturheilkundlicher Arzt (Vollpfosten, gehirnamputiert, sollte seine Aprobation verlieren) Ihnen ein "Medikament" in Potenz D30 verschreibt, dann entspricht dies:

1 Tropfen Wasser auf das 50-fache Volumen der Erde

Das bedeutet im Klartext: Sie mögen alles mögliche zu sich nehmen, aber mit Sicherheit kein wirksames Medikament!

Ich möchte in dieser Hinsicht noch auf ein kleines aber feines Paradoxon der Homöpathie hinweisen:
Je stärker verdünnt ein "Stoff" also ist, desto wirksamer ist er. Nun stellen wir uns mal vor wo unser Wasser so herkommt, womit das Wasser theoretisch und praktisch in Kontakt kommen kann und addieren die Verdünnung durch die Trinkwasserreserven unserer Städte und Gemeinden... WIR NEHMEN JEDEN TAG ENORME HOMÖOPATHISCHE ÜBERDOSEN AN ALLEM MÖGLICHEN ZU UNS!

PS: Viele Krankenkassen erstatten homöopathische Behandlungen
PPS: Homöpathie ist in der EU und den USA ein Multimilliardengeschäft. Sie verkaufen NICHTS und bekommen dafür Geld.

Posted via email from rafaelwv's posterous

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