Montag, 1. Februar 2010

Der Messias der Internetausdrucker: Frank Schirrmacher

Ein Kommentar zum Blogartikel von Thomas Knüwer auf "Indiskretion Ehrensache"

Fassen wir zusammen: Schirrmacher ist ein Multi-Phobiker.

Jenseits aller, berechtigten, handwerklichen Kritik an Schirrmachers Arbeit an sich hat Schirrmacher ein Problem, welches ich als kognitiv bezeichnen würde:

Schirrmacher hat Angst sich im Internet zu verlieren, er möchte lieber an die Hand genommen werden. Er hat Angst vor Multitasking, denn dabei verliert man den Verstand, eine Gefahr die ich bei Schirrmacher für eher gering einschätzen würde, es gibt anscheinend nicht allzuviel, was er verlieren könnte. Dann scheint er Angst vor komplexeren Systemen und sogar vor der Freiheit zu haben, schliesslich präferiert er ein geschlossenes “Ökosystem” wir iPhone und iPad gegenüber Notebooks, Desktop-PCs etc.

Abgesehen davon, dass gerade Apple mehr als restriktiv in Sachen iPhone und iPad vorgeht, was DRM, Applikationen und Personalisierung angeht, scheint es genau das zu sein, was Schirrmacher befürtwortet: Er möchte bevormundet werden, er möchte das jemand ihm seine Angst und ihn an die Hand nimmt, damit er und seine Zeitgenossen sich im grossen und bösen Internet nicht verlorengeht und in eine “Schmuddelecke” gerät…

Wie würde Schirrmacher wohl reagieren, wenn man ihm ein wirklich offenes System zeigen würde wie zum Beispiel Linux? Würde er in einen katatonischen Zustand verfallen angesichts der unendlich vielen Möglichkeiten der Personalisierung, der Möglichkeiten der Manipulation und vor allem bei der vielzahl der Prozesse die man gleichzeitig ablaufen lassen kann?

Ich gehöre wohl zu der Generation “C64″, mein Medienkonsum beschränkt sich beinahe ausschliesslich auf “neue Medien” (auch wenn ich gut 20 Regalmeter Bücher besitze, die ich selbstverständlich schätze und gelesen habe) und ich bin zu “Multitasking” fähig, ohne das die Qualität meiner Arbeit, meiner Recherche und meiner Ergebnisse darunter zu leiden hat.

Ich nutze sowohl Twitter als auch Email, Instant-Messenger Programme, Telefon, Fax und mein Mobiltelefon. Das alles überfordert mich nicht, ich bin durchaus zur Konzentration fähig und ich kann mich auch dem “Sog” dieser Medien und der Konnektivität entziehen, wenn dies nötig sein sollte.

Schirrmacher ist der Typ Mensch, der den Weggang der Menschheit von den Bäumen schon für einen Holzweg hält, er ist nicht nur innovationsscheu, sondern schlichtweg unfähig dies zuzugeben und beiseite zu treten, damit andere, frischere Generationen auf neuen Fundamenten aufbauen können.

Nur wer auf den Schultern von Riesen steht, kann weit genug schauen um wirklich innovativ zu sein. Wer wie Schirrmacher diesem Riesen versucht ein Bein zu stellen, der läuft Gefahr zerquetscht zu werden.

Schirrmacher ist ein williges Werkzeug der Zensursula-Apologeten, der Messias der Internetausdrucker, aber eines ist er definitiv nicht: zeitgemäss.

Posted via email from rafaelwv's posterous

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