Dienstag, 13. Juli 2010

Der deutsche "Bildungsbürger" - Homo idioticus?

Mit ungläubigem Erstaunen musste ich in den letzten Tagen vernehmen, dass eine Vielzahl von deutschen Akademikern sich für die Beibehaltung homöopathischer Therapien/Medikamente bei den Kassenleistungen aussprach. Analysen einzelner Krankenkassen zeigen, dass bei Streichung dieser "Komplementärleistungen" sich lukrative Kassenangehörige eine Kasse suchen würden, die Leistungen die Homöopathie weiter anbietet.

Diese inzwischen in verschiedenen Medien wiederholte Aussage rief wie gesagt zuerst Erstaunen bei mir hervor, dann Entsetzen und letztendlich Verstehen. Ich möchte meinen Gedankengang dabei kurz darlegen:

Erstaunen: Wie kann man nur an einen solchen horrenden Blödsinn wie Homöopathie glauben? Diese "Lehre" ist fehlerbehaftet, inkonsistent, unlogisch, naturwissenschaftlich und empirisch nicht nachweisbar und selbst tatsächliche Placebo wirken wohl mitunter besser als Milchzuckerglobuli und destilliertes Wasser.

Entsetzen: Wie ist es möglich "Akademiker" zu sein, demzufolge eine Hochschule bzw. eine Universität mehr oder minder erfolgreich besucht zu haben und dann trotzdem an diesen Schwachsinn zu glauben?

Verstehen: Ok, gegeben ist eine Zahl X "Akademiker", die tatsächlich von dem Konzept und der Wirksamkeit der Homöopathie überzeugt ist und schon haben wir eine Erklärung für die deutsche Bildungsmisere der letzten 20 Jahre! Sollte es tatsächlich so sein, dass es Personen gibt denen ein akademischer Grad zugestanden wurde und die es trotz, obwohl (oder gerade wegen?) dieser Bildung an Homöopathie, den Weihnachtsmann und die Zahnfee glauben, dann müssten wir die ganze PISA-Studie auf ein ganz neues Fundament stellen! Man kann doch nicht erwarten, dass die Vollpfosten von gestern und heute die Kinder und Jugendlichen ausreichend und umfassend ausbilden, wenn sie nicht einmal mit den einfachsten Konzepten wissenschaftlicher Methodik und Empirie vertraut sind und lieber an Mondenergie in Globuli, Elfengesänge und Uran (oder AIDS!) in D100-Lösung glauben. Ich behaupte an diesen Menschen ist jegliche (Aus-)Bildung verloren gegangen, oder besser gesagt verschwendet worden.

Leider entspricht die Homöopathie wie viele andere pseudoesotherische Heilkonzepte dem Wunsch der Alt-68er und deren Nachfolger die Welt ein wenig "besser" und "menschlicher" zu machen. Angesichts des fortschreitenden Erfolgs fundamentalistischer Religöser in den USA (Kreationisten), religiöser Eiferer im Gebiet des Islam und Esotheriker in Europa geht meine Hoffnung auf einen wirklich neuen und aufgeklärten Menschen immer weiter zurück. Die Menschheit in ihrer Gesamtheit scheint tatsächlich unglaublich dumm und enttäuschend zu sein und die prozentual gesehen verschwindend geringe Zahl an vernunftbegabten Menschen kann angesichts der konzentrierten Dämlichkeit der Gattung "Homo sapiens" nicht all zuviel tun.

Ist es dem modernen Menschen wirklich bestimmt vom "Homo sapiens sapiens" zum "Homo idioticus anterior sapiens" zu degenerieren?

Posted via email from rafaelwv's posterous

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