Montag, 10. Januar 2011

Die ARD-Piel hat einen Sockenschuss

Monika Piel, bisher Intendantin (mit gutem Gehalt von der GEZ Gnaden) hat kürzlich den Vorsitz bei der ARD übernommen und gleich zu Anfang den einen oder anderen Klopper gebracht, vor allem die unselige Allianz mit der Contentmafia hier inkarniert als die Springerblätter und die deutsche Verlegermannschaft um sich gegen Google zu wehren und einen entsprechenden Kampf zu proklamieren.

Ich möchte nur auf einen kleinen Teil des Interviews eingehen das man im Tagesspiegel lesen kann:

Was tun Sie, um den Zeitungen zu helfen?
Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.

Erst einmal möchte ich wissen welchen Stoff die Dame eingenommen hat um die Springerpresse in Zusammenhang mit dem Wort "Qualität" zu bringen.

Aber widmen wir uns doch mal dem "Wettbewerb":

Google ist ein Suchmaschinenanbieter mit Newsaggegator, ein Emailprovider und ein Softwareanbieter. Das Hauptinteresse von Google ist Werbung.
Apple ist ein Hardwareproduzent der seine Hard- und Software bündelt und eine eigene Medienplattform (iTunes) betreibt über die man Medien kostenpfichtig beziehen kann. Ausserdem verkauft Apple personenbezogene Daten und macht Werbung.
Vodafone würde gerne alles mögliche sein, aber letztendlich ist es nur ein Zugangsanbieter, ein Telekommunikationsprovider, ein Netzanbieter unter vielen. Sicherlich ein grosser, aber mehr auch nicht.

Wo bitte ist da ein Wettbewerb zur ARD oder zur Springerpresse zu erkennen? Nur weil Apple und Google zufälligerweise auch mobile Endgeräte vertreiben (naja, Google an sich nicht, die machen nur das OS) mit denen man Nachrichten und Magazine konsumieren kann (oder auch nicht!) und Vodafone ein Netzanbieter ist, dessen Netz man nutzen kann, aber nicht muss um sich diese Inhalte (von Qualitätsinhalten möchte ich einfach nicht sprechen, nicht bei der ARD und weniger bei Springer!).

Was ist mit T-Mobile, Orange, Telefonica? Oder dem Friseursalon und dem Ärtzewartezimmer? Erstere haben auch Netze und in letzteren bekomme ich im Zweifel auch "Qualitätsmedien" vorgesetzt um die Wartezeit zu überbrücken mit den Nebeneffekt dafür eben nicht extra zahlen zu müssen!
Wie gesagt, ich verstehe den Zusammenhang irgendwie nicht. Google ist böse (das sagen alle Verleger), aber keiner sagt warum und vor allem wie. Alles eher diffuses "böse". Appe ist jetzt auch böse, obwohl bis vor kurzem die Verlegermafia speziell das iPad als den Retter der Qualitätsmedien angepreist hatten... bis sich die Bild-App eben doch nicht so gut verkaufte wie erhofft und die Nutzer lieber den Browseragent manipulieren als vor der Bezahlschranke zu stehen und für Inhalte zu bezahlen die man sonst überall umsonst (aber nicht vergebens) bekommt.

Wie könnte das konkret aussehen?
Ich kann mir gemeinsame Plattformen vorstellen, um unsere Inhalte zu vermarkten. Wir sollten das Online-Geschäft nicht nur den multinationalen Konzernen überlassen.
Kartellrecht anyone? Die Qualitätsmedienverlegerholzmedienmafia zusammen mit den Raubrittern von der GEZ-Anstalt? Da möchte mir doch mal jemand erklären wie sich das mit dem Auftrag des ÖR vereinbaren lässt...

Ist Google eine Bedrohung für die ARD?

Natürlich. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern für alle Qualitätsmedien.

 
Liebe Frau Piel, nur weil das Geschäftsmodell der Holzmedien obsolet wird, ist das nicht die Schuld eines Suchmaschinenanbieters der sich mit dem Verkauf von Onlinewerbung finanziert. Als die Buchpresse auf Typen, Lettern usw umstieg wurden Graveure arbeitslos, davor wurden Schreiben und Kopiesten arbeitslos, durch fliessenden Wasser wurden Wasserträger arbeitslos... so ist das nun mal mit der Innovation liebe Frau Piel. Es gibt nunmal sogenannte disruptive Technologien die vorangegangenes obsolet machen. So wie das Auto den Kutsche samt Kutscher obsolet machte.

Was Sie und Ihre Holzmedienkollegen anscheinend immer noch nicht verstanden haben ist eigentlich ganz simpel und es wurde Ihnen und Ihren Kollegen schon tausendmal erklärt, aber ich geselle mich gerne nochmal dazu:

Das Internet ist kein Verlag. Das Internet ist kein Dienst. Das Internet ist nur ein Werkzeug unter vielen. Im Gegensatz zu Magazinen und Zeitungen in denen Verlag, Chefredakteur und Redaktion das Zepter in der Hand halten und über Publikationen oder Nichtbeachtung entscheiden und damit eine unidirektionale Vertriebsstruktur der Nachrichten (von oben nach unten) etablieren, ist das Internet ganz anders: es handelt sich um multidirektionale, parallele und vor allem zeitnahe Nachrichtenströme in dem jedermann zu Sender und jedermann Empfänger, Zielgruppe, Kommentator, Kritiker, Laudator oder Replikator sein kann.

Die so oft beschworene Rivalität zu den Holzmedien kommt daher, das Sie und Ihre Kumpanen von der Springerpresse in diesem Fall eben nicht das Heft in der Hand halten, sie haben im Internet weder die Meinungs- noch die Deutungshoheit... und genau da drückt Ihnen allen der Schuh.

Was man nicht beherrschen kann, das will man oftmals verbieten oder vernichten.
Meiner persönlichen Meinung nach bleibt Ihnen nicht viel Zeit, werte Frau Piel & Konsorten. Denn Ihr Klientel stirbt an Demenz, Altersschwäche und Desinteresse. Die jungen, engagierten Leute bekommen sie nicht mehr, die werden oft selbst zu Machern von Meinungen, Nachrichten und vielleicht wird der eine oder andere sogar zu dem Gründer des Nachfolgemediums der "Qualitätsmedien". Ich hoffe das wir beide dies noch erleben werden. Sie wissen ja, wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Und der letzte macht das Licht aus.

Gruss,

Ein TV- und Holzmedienverweigerer

Posted via email from rafaelwv's posterous

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