Mittwoch, 19. Januar 2011

Kommentar: Euroweb Internet GmbH | Spreeblick

Ich werde mich hüten, Unwahrheiten über die Firma Euroweb zu verbreiten! Nee, nee, das ist mir zu riskant.

Am Ende erhalte ich dann noch den gleichen Brief wie Jens Scholz, in dem u.a. geschrieben steht:

In verschiedenen Beiträgen und Kommentaren auf Ihrer Internetseite verbreiten Sie unwahre und beleidigende Behauptungen über unsere Mandantin, die diese auf das übelste herabwürdigen und verunglimpfen. Sie schwärzen unsere Mandantin unter Behauptung unwahrer Tatsachen an.

Ich sollte mich also auf wahre Tatsachen beschränken, wenn ich über Euroweb schreibe. Ich könnte zum Beispiel erwähnen, dass sich das Unternehmen u.a. beim gulli-Forum über die kontroversen Diskussionen über Euroweb beschwert hat, was die Board-Betreiber aus Furcht vor Abmahnungen und Anwaltskosten dazu veranlasst hat, viele Kommentare zu löschen.

Ich könnte auch erwähnen, dass nun immer mehr Blogs über den Fall berichten und sich damit mit den Foren solidarisieren.

Völlig gefahrlos, da der Wahrheit entsprechend, kann ich auch erwähnen, dass Spreeblick dies selbstverständlich auch tut. Und hinzufügen, dass wir in der Vergangenheit ebenfalls Kontakt mit diversen Beschwerdebriefen hatten, die Abmahnungen ankündigten und Löschungen von Artikeln forderten. Keinem einzigen dieser Briefe folgten übrigens weitere Handlungen seitens der Absender, denn sie waren ohne jede rechtliche Grundlage.

Das alles kann ich einfach so schreiben, da es den Tatsachen entspricht. Das gefällt sicher auch dem Geschäftsführer der Euroweb Internet GmbH, Christoph Preuß, der in einer Pressemitteilung vom 10. März 2006 ein bestehendes Grundrecht mal eben als seine Meinung deklariert und diesem von seinem Unternehmen großmütig gebilligten Grundrecht ungefragt eine unternehmenseigene Definition zur Seite stellt:

Natürlich sind auch wir absolut der Meinung, dass es zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehört, seine persönliche Meinung frei äußern zu können. (…)

Allerdings sollten diese Äußerungen immer in einer gesellschaftlich korrekten Form erfolgen und niemanden denunzieren oder verunglimpfen, da es so schnell zu einem Angriff auf Persönlichkeitsrechte kommen kann. (…)

Wir hoffen, dass es in Zukunft nicht erneut zu dieser Art der Verleumdung kommt. Darüber hinaus möchten wir klarstellen, dass wir auch in Zukunft gegen Personen vorgehen werden, die die Euroweb Internet GmbH und/oder Einzelpersonen des Unternehmens in der Öffentlichkeit herabwürdigen oder anders schaden wollen.

Und jetzt, Euroweb Internet GmbH, müssen Sie ganz stark sein. Denn ich muss zugeben, dass ich Ihren Pressemeldungen nicht so richtig traue. Bitte nicht persönlich nehmen, ich bin halt so’n eher skeptischer Kerl. Ich vermute (habe gerade extra nochmal nachgeschlagen, Vermutungen sind noch erlaubt in Deutschland, da hab’ ich aber mal wieder Glück gehabt, was?), dass euch die freie Meinungsäußerung in etwa so sehr interessiert wie gutes Webdesign. Nämlich gar nicht.

Daher frage ich mich, wie nun ein möglicher Brief an mich aussehen könnte. Mein Vorschlag:

„In einem Beitrag auf Ihrer Internetseite verbreiten Sie wahre und gar nicht beleidigende Behauptungen über unsere Mandantin, die dazu führen, dass Dritte sich genauer über unsere Mandantin informieren können, als dies auf der Homepage unserer Mandantin möglich ist. Desweiteren sorgen sie damit für ein vermehrtes Auftauchen unserer Mandantin in Internet-Suchmaschinen.“

Rockt nicht? Damit kann man ja gar kein Geld verdienen? Dann lassen wir das doch lieber bleiben, Euroweb Internet GmbH, wir wollen’s doch nicht schlimmer machen als es schon ist.

Oder?

Ich verstehe nicht warum so viele Blogs und Foren um das Thema herumlavieren. In Deutschland ist es mehr als strittig ob und wieweit einem Unternehmen, also einer juristischen Person, ein Persönlichkeitsrecht zugesprochen werden kann, wie zum Beispiel eine Ehre, die verletzt werden könnte.

Nun kann man speziell über die Firma Euroweb eine ganze Menge durchaus wahre Tatsachenbehauptungen aufstellen, die ganz und gar unanfechtbar sind:

- Die Firma ist sehr umstritten
- Gegen die Firma ist mehrfach der Vorwurf des Betruges gemacht worden
- Viele Kunden (und auch ehemalige Kunden) scheinen ein Problem mit dem Preis-Leistungsverhältnis der Firma Euroweb zu haben, welches von "Experten" als eher dürftig umschrieben wird
- Es wird Aussendienstler vorgeworfen mündliche Nebensprachen getroffen zu haben und diese bei Vertragsunterzeichnung negiert zu haben
- Der Firma selbst wird vorgeworfen "eigentümliche" Beschäftigungsbedingungen zu offerieren

usw. usf.

Das alles ist absolut unumstritten und mit vielen Quellen belegbar. Weiterhin dürfte es unumstritten sein, das die Firma Euroweb einen mehr als nur zweifelhaften Ruf geniesst.

Allein diese Aussagen, die meiner Auffassung nach recht gefahrlos getroffen werden können, dürften der Firma Euroweb nicht wirklich schmecken.

Ob der Bericht über solche Tatsachenbehauptungen geschäftsschädigend ist (sein kann), steht auf einem anderen Blatt. Allerdings muss sich Euroweb die Frage gefallen lassen, warum ein solches Geschäftsgebahren stattgefunden hat (immer noch stattfindet?) und was daran verwerflich sein soll vor Neppern, Schleppern und Bauernfängern zu warnen?

Es kann übrigens nicht schaden bei Berichten über Euroweb (und deren Ableger) immer auf den richtigen Kontext zu verweisen... das Internet vergisst ja nicht so schnell und richtig gesetzte Links sind bei Google-Suchen immer recht weit "oben"...

Posted via email from rafaelwv's posterous

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