Mittwoch, 19. Januar 2011

Ruinöser Firmenstreit in China: Fies gewinnt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Ruinöser Firmenstreit in China

Fies gewinnt

Von Christiane Kühl, Shanghai

Shanghai: Zwischen Konkurrenten herrschen immer rauere Sitten

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Shanghai: Zwischen Konkurrenten herrschen immer rauere Sitten

In China ist das Geschäftsleben oft brutal: Im Kampf um Marktanteile verunglimpfen sich Firmen gegenseitig, stellen Konkurrenten mit bizarren Unterstellungen an den Internetpranger. Auch deutsche Unternehmen leiden unter dem rüden Gebaren - Beschwerden haben nur selten Erfolg.

Besorgte Eltern glaubten es sofort. Weiblichen Babys wachsen nach dem Genuss von Milchpulver der Marke Yili plötzlich Brüste! In chinesischen Foren und Newsrooms kursierten Berichte, Yili-Babymilch enthalte Docosahexaensäure (DHS), eine aus Fischöl extrahierte Chemikalie, die die Hirnentwicklung von Kindern fördern solle - aber gesundheitsschädlich sei und für Frühpubertät sorge. Blogger trugen die Meldungen weiter. Schwangere Frauen beschimpften Yili in Chatrooms.

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Doch dann kam heraus: Das ganze war eine Rufmord-Kampagne, angezettelt vom Yili-Konkurrenten Mengniu. Dieser nutzte den Umstand, dass Chinas Öffentlichkeit ihren Milchfirmen derzeit alles zutraut. Denn kaum eine Milchmarke kam ungeschoren davon, als 2008 mehrere Molkereien das eigentlich in der Kunststoffherstellung verwandte Melamin in Milchprodukte panschten - vor allem in Babymilch. Sechs Babys starben damals, rund 300.000 erkrankten unter anderem an Nierensteinen.

Yili reagierte empört, als die Sache aufflog. Mengniu wiegelte ab: Ein einzelner Manager namens An Yong habe die 290.000 Yuan - das sind ca. 33.000 Euro - teure Kampagne ohne das Wissen der Unternehmensführung angestoßen. Er soll eine Reklamefirma und beliebte Blogger bezahlt haben, damit sie die Berichte lancieren und sich im Netz als Schwangere ausgeben. Nun ermittelt die Polizei. An Yong wurde festgenommen, ebenso wie drei Mitarbeiter der PR-Agentur BossePR in Peking. Fast 100 Beiträge hätten bezahlte Autoren in Foren gestellt "um die Gefühle der Internetnutzer aufzuwühlen", teilte die Polizei in Hohhot in der Inneren Mongolei - dem Sitz beider Firmen - mit. Der beliebteste sei 200.000 mal angeklickt worden.

Der Wettbewerb in Chinas Konsumgütermarkt wird immer schärfer - und so kehren zwischen Konkurrenten immer rauere Sitten ein. Vielfach nutzen Firmen rechtliche Grauzonen und unklare ethische Grundsätze, um Kontrahenten eins auszuwischen. "Keiner weiß genau, was für ein Gesetz Mengniu und An Yong eigentlich gebrochen haben", sagt Alistair Nicholas, Chef der PR-Strategie-Agentur AC Capital in Peking. "Dass die Gesetze vage und lückenhaft sind, ist Teil des Risikos hier in China." Hinzu komme ein enormer Boom von PR-Firmen, deren Mitarbeiter nicht immer gut genug ausgebildet sind, sagt Nicholas: "Die PR-Industrie ist relativ neu und unterentwickelt und die Methoden oft etwas krude."

Börsennotierte Firma mit Haifisch-Methoden

Chinesische Experten fordern angesichts des Yili-Falles eine Änderung des Wettbewerbsrechts und schärfere Kontrollen. Zhou Zucheng, Professor für Unternehmensethik an der Shanghaier Jiaotong-Universität, sagte, er sei überrascht, dass selbst eine angesehene, börsennotierte Firma wie Mengniu zu solch bizarren Taktiken greift.

Parallel beharken sich Chinas größter Kurznachrichten-Dienst Tencent und der Antivirus-Anbieter Qihoo 360. Qihoo erklärte im Herbst, der Instant Messenger QQ von Tencent - den sagenhafte 600 Millionen User benutzen - scanne private Daten seiner Nutzer und werte diese aus. Tencent reagierte empört und zerrte Qihoo vor Gericht. Tencent kündigte zudem an, jeden QQ-Nutzer zu sperren, der Qihoos Sicherheitssoftware 360 Safeguard verwendet.

Gegen Firmenzoff dieser Art sind in China auch ausländische Firmen nicht gefeit. Es gebe immer wieder Streit zwischen Joint-Venture-Partnern, sagt Ralph Koppitz, Partner bei der Kanzlei Taylor Wessing in Shanghai. Diese können im Extremfall bis zur Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens führen.

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mit seinem Partner Wahaha, dem größten Mineralwasserproduzenten Chinas. Danone hatte Wahaha 2007 vorgeworfen, außerhalb des gemeinsamen Joint-Ventures Nebengeschäfte zu tätigen, die in Konkurrenz zum Joint-Venture stehen. Die Partner trugen dies vor mehr als 30 Gerichten im In- und Ausland aus. Vor einem Jahr schließlich verkauften die Franzosen entnervt ihren 51-Prozent-Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen an Wahaha.

Blauäugig in die Falle getappt

"Es gibt auch deutsche Unternehmen, die blauäugig in die Falle tappen und zu viele Dinge ihrem Partner überlassen", sagt Koppitz. Derzeit arbeitet die Kanzlei an einem besonders krassen Fall: Eine deutsche Firma bemerkte erst nach sechs Jahren, dass der Partner das in das Joint Venture eingeschossene Kapital noch am selben Tag wieder herausgezogen hatte. "Seither hatte das Joint Venture durchgehend Liquiditätsprobleme, und die Deutschen finanzierten das immer brav", sagt Koppitz. Jetzt möchten sie allerdings das Joint Venture auflösen.

Doch auch dort gibt es wieder einen Haken: Der chinesische Partner hatte für die Genehmigung des Gemeinschaftsunternehmens nicht den von der deutschen Seite unterzeichneten Joint-Venture-Vertrag eingereicht - sondern einen ganz anderen, der auf einer gefälschten Übersetzung einer von den Deutschen gegebenen Vollmacht basiert. Im Originalvertrag stand, dass bei Streit ein Schiedsgericht in Singapur angerufen werden muss. In dem den chinesischen Behörden vorliegenden Fake-Vertrag aber ist von einem lokalen Schiedsgericht die Rede. Und bei lokalen Schiedsgerichten fühlen sich viele Ausländer benachteiligt.

Bei den Querelen kann es oft um die Existenz der Firmen gehen - vor allem, wenn Unterstellungen über die Qualität der Produkte im Gedächtnis der Kunden haften bleiben. Und die Verbraucher werden ihrerseits in Mitleidenschaft gezogen: Milchkäufer wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Schon seit dem Melamin-Skandal kaufen sie zunehmend importierte Milch, die Einfuhren von Milchprodukten verdoppelten sich 2010 auf rund 340.000 Tonnen.

Unmoralisch und verantwortungslos

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Ein anderes Beispiel ist der Streit zwischen den Internetfirmen Tencent und Qihoo. Laut Tencent-Präsident Ma Huateng wurden fünf Millionen QQ-Nutzer von dem Kurznachrichtendienst suspendiert, weil sie auch Qihoo benutzten. Qihoo-Chef Zhou Hongyi wiederum klagte, seine Antivirensoftware habe durch die Fehde 20 Prozent ihrer Nutzer verloren.

Li Yizhong, Minister für Informationstechnologie, kritisierte die Aktionen beider Firmen als "unmoralisch und verantwortungslos". Das Ministerium für Industrie und Information (MIIT) hat deshalb beide Firmen gezwungen, sich bei der Öffentlichkeit zu entschuldigen. Außerdem gab das MIIT bekannt, dass es einen Gesetzentwurf gegen unfairen Wettbewerb im Cyberspace ausgearbeitet habe. Dieser wird nun dem Nationalen Volkskongress - Chinas Legislative - vorgelegt.

Ob dies aber auch ausländischen Unternehmen hilft, ist offen. Viele klagen nach wie vor, dass Konkurrenten sie mit Haifisch-Methoden ausbooten wollen.

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Ja, deutsche Firmen sind schliesslich der Standard in Sachen Seriosität. Es gab niemals eine VW-Affäre, Siemens hatte nie einen Bestechungsskandal, oder zwei oder drei oder mehr... dann sind da noch die Mautverträge die nicht ganz so astrein waren. Ja deutsche Firmen sind wirklich ganz anders als die bösen chinesischen Haifisch-Firmen die die Wirtschaft kaputtmachen. Und die ganzen bösen Banken die die Weltwirtschaftkrise ausgelöst haben und sich jetzt daran bereichern sind auch alle chinesisch. Oder so.

Posted via email from rafaelwv's posterous

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