Dienstag, 17. Mai 2011

Was ist die #spanishrevolution und warum erfahre ich nichts darüber in den Medien?

Es begann mit Demonstrationen am 15. Mai 2011 in 50 Städten in ganz Spanien und breitete sich am selben Tag noch auf ca. 70 Städte aus.
Junge, Alte, Arbeiter, Arbeitslose, Studenten, Mütter... Rechte, Linke, Anarchisten, Apolitische, Piraten... Menschen jeder Couleur und jeder politischen Überzeugung gingen für eine gemeinsame Sache auf die Strasse: Wechsel.
Wechsel weg vom spanischen Zweiparteiensystem, welches für die meisten Leute nur die Wahl zwischen Pest und Cholera lässt. Wechsel zu Politikern, die wählbar sind und nicht wie derzeit, wo 123 Politiker auf Landeslisten stehen, denen Korruption vorgeworfen wird.
Die Menschen demonstrierten gegen Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler die von den soeben geretteten Banken aus ihren Häusern vertrieben werden, da man mit 600€-1000€ im Monat eben keine Hypothek bezahlen kann.
Diese Menschen haben nicht für eine bestimmte politische Ideologie demonstriert, diese Menschen sind nicht für die eine oder andere Partei auf die Strasse gegangen, sie alle eint nur eines: Sie wollen mehr Mitbestimmung, mehr echte Demokratie und nicht länger belogen und betrogen werden.
Am 16. Mai 2011, einen Tag nach den Massendemonstrationen hatte sich in Madrid eine Kerngruppe gebildet, die an der Puerta del Sol ein Dauercamp eröffnete um jeden Tag, eine Woche lang, also bis zu den Wahlen, zu demonstrieren.
Diese Idee trug sich in viele Städte so dass in Valencia, Barcelona, Huelva, Salmanca etc. weitere Camps entstanden und noch entstehen. Die Idee einer #spanishrevolution war geboren.
Spanische Medien berichten nicht darüber, wenn doch mal ein 10 sekündiger Bericht eingeschoben wird sind es vereinzelte Protestler, verwirrte Ultralinke und nur Anarchos die sich die Beine in den Bauch stehen.
Trotzdem ist diese Bewegung nicht zu verachten, etwas vergleichbares ist aus dem postdiktatorischen Spanien nicht bekannt und niemand weiss wohin eine solche Bewegung führen kann.
Europäische Nachrichtenleser müssen sich fragen, ob das alles wirklich geschieht und geschehen ist, denn kaum ein Massenmedium hat ernsthaft berichtet. In den USA kann man mehr erfahren als hier vor Ort, die Washington Post misst den Demonstrationen anscheinend einiges an Wichtigkeit zu, während das ZDF in einer Stellungnahme auf Twitter von einer "Netzcampagne" einiger "Linker" spricht, aber nicht der Meinung ist es wäre eine Meldung wert.
Im Haus der ARD herrscht eisernes Schweigen zu dem Thema, die #spanishrevolution die auch heute wieder Trending Topic auf Twitter sein wird und tausende Menschen in ganz Spanien mobilisiert wird nicht mit einer Zeile erwähnt.
Auch im Privat-TV findet die #spanishrevolution nicht statt und im Blätterwald der deutschsprachigen Medien rauscht Dominique Strauss-Kahn durch alle Seiten, nur von Massendemos in Spanien will keiner etwas wissen.
Wird fortgesetzt...
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