Sonntag, 25. September 2011

Die Taz, Veganer, Teilzeitveganer und die Welternährung


"Wir können aber sieben Milliarden Menschen auch dann nicht ernähren, wenn wir nur noch die Hälfte Fleisch essen."

Diesen Unsinn bekommt man immer mal wieder vorgebetet. Es seien nicht genug Resourcen da, alles wäre zu knapp, nur weil die westliche Welt (und seit neustem auch China und Indien) immer mehr Fleisch verlangt und Fleisch isst, würde die Welt hungern müssen.

Dabei ist schon seit Jahren klar: Es wird mehr als genug Nahrungsmittel produziert um jedem Menschen genug Nahrung zuzuführen, wenn man denn nur wollte! Tatsächlich ist es aber zum einen nicht wirtschaftlich interessant die Hungernden dieser Welt zu ernähren.

Wo ist der Profit wird sich die Weltwirtschaft fragen und dies zu Recht! Allerdings stellt sich seinerseits die Frage ob es überhaupt ethisch ist für die reinen Grundbedürfnisse der menschenwürdigen Ernährung, und damit sind nicht nur Tofuwürstchen gemeint, Profit zu erwarten.

Die Welt funktioniert, leider, nicht so wie Idealisten es sich wünschen. Es ist aber nicht hilfreich wenn Veganer, Flexitarier, Vegetarier oder Weltretter meinen uns erzählen zu müssen es würde reichen wenn wir auf Fleisch (Wurst, Käse, Milch, Eier) verzichten würden damit der Hunger auf der Welt aufhört. Dies ist eine dreiste Lüge, die nur dazu dient das Gewissen eben derjenigen zu erleichtern die sich diese Art der Selbstkasteiung zur Weltentrettung auferlegen. Ändern wird sich dadurch aber nichts!

Erst wenn in jedem einzelnen die Erkenntnis gereift ist, das es mehr als genug Nahrungsmittel gibt, das genug produziert wird um wirklich jeden Menschen gut zu ernähren, dann kann man angehen etwas zu ändern.

Letztendlich kennen wir die Predigten der Gewissensveganer doch schon längst: Erleben wir nicht jedes Jahr den Apell der Industrie, der Arbeitgeber und der Sozialverbände das Bescheidenheit bei den Lohnforderungen notwendig ist um Arbeitsplätze zu erhalten? Das Lohnverzicht und Mehrarbeit neue Jobs schaffen? Das alles nur besser wird, solange die Einkommen der arbeitenden Bevölkerung geringer werden, da so die ominöse Produktivität gesteigert wird?

Tatsächlich ist es genau der gleiche Diskurs, aber das daraus resultierende Handeln macht die Arbeitenden ärmer, lässt sie aus der "Mittelschicht" heraus- und in das Prekariat hineinfall und löst dennoch nicht die Probleme auf dem Arbeitsmarkt, statt dessen werden diese nur noch gravierender: Die Reichen werden immer reicher, die nicht-reichen werden arm und ärmer, sie soziale Schere entsteht erst, dann öffnet sie sich und letztendlich klafft ein Unterschied der kaum noch zu überbrücken ist. Die Lösung ist korrekte Umverteilung.

Umverteilung ist auch die Lösung gegen den Hunger in der Welt. Allein mit den Nahrungsmitteln die jeden Tag von Supermärkten und Gemüsegrosshandlungen entsorgt werden liessen sich so manche Nationen ernähren. Von den Mengen an Rohstoffen die Spekulanten seit neustem horten um neue Höchstpreise an den Warenterminmärkten zu erzielen liessen sich schlimmste Katastrophen vermeiden.

Was jeden Tag aussortiert wird, weil es kosmetischen Anforderungen nicht entspricht (Gemüse, Obst, Fleisch, Eier, etc) könnte mit sicherheit so mancher Hungernde von seinem Leiden erlöst werden. Aber es widerspricht wirtschaftlichen Interessen.

Frisch auf den Müll: Die globale Lebensmittelverschwendung (Taste the Waste) - Teil 1

Frisch auf den Müll: Die globale Lebensmittelverschwendung (Taste the Waste) - Teil 2

Frisch auf den Müll: Die globale Lebensmittelverschwendung (Taste the Waste) - Teil 3

Frisch auf den Müll: Die globale Lebensmittelverschwendung (Taste the Waste) - Teil 4

Streitgespräch: Veganer vs. Flexitarier: "Man muss einen Cut machen!" - taz.de
Nur halb so viel Fleisch essen - oder gar keins mehr? Katharina Rimpler plädiert für Halbzeitvegetarismus. Christian Vagedes bleibt Vollzeitveganer. Ein Streitgespräch.

Posted via email from rafaelwv's posterous

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