Sonntag, 10. Juni 2012

Repost: Rescate, Rettung, Krise, Eurobonds, Spanien und eine düstere Vision

Spanien ist unter den Rettungsschirm. Nunja nicht wirklich und auch nicht ganz, denn Spanien wird "anders" gerettet als Griechenland, Irland oder Portugal, zumindest wenn es nach dem Willen von Mariano Rajoy geht.

Wie ich schon im DRADIO (hier zum nachhören) sagte, wird die Spanienrettung einen anderen Namen bekommen als die griechische Variante, nur um uns den Stolz zu lassen den wir ja unbedingt demonstrieren müssen. Falscher Stolz der zu falschen Handlungsweisen führt, aber dazu später.

Angeblich soll die Intervention in Spanien weniger invasiv ausfallen als in Griechenland, wenn und genau da beginnt die Drohung, es bei einer indirekten Bankenrettung bleibt... wir alle dürfen als gesichert ansehen, dass es genau dabei nicht bleibt.

Erinnern wir uns: Bankia war eine der Banken die den EU-Stresstest bestanden hatte und ofiziell sogar Gewinn deklariert hatte. Nachträglich wurde dann aus dem ausgewiesenen Gewinn plötzlich ein Riesenverlust, na wenn das mal keine kreative Buchführung ist!

Was ist nun mit den Banken die den Stresstest der EU nicht so gut bestanden haben, oder gar den Instituten die sogar absolut nicht bestanden? Derer gab es durchaus einige...

Aber lassen wir den Bankensektor auch einmal beiseite und wenden wir uns doch den Autonomien zu: Heute las ich, dass die Gesamschuld der Autonomien auf ca. 240 Milliarden € beziffert wird. Da möchte man doch fragen wo dieses Geld bitte herkommen soll, vor allem weil Steuerzahler immer rarer werden, greift doch die Arbeitslosigkeit immer weiter um sich.

Die Autonomien sind ein Problem, die Staatsschulden ein anderes und zusammen mit den Bankenschulden wird daraus langsam ein Problem welches so ohne weiteres nicht zu schultern sein sollte, allerdings wird hier wieder ein Faktor vergessen: Die Privatverschuldung ist extrem hoch und es sieht nicht so aus als wären hier gesunde Kredite an der Tagesordnung.

Alles zusammen ist weder für Spanien noch für die EU oder den IWF noch zu meistern, egal welche Durchhalteparolen von der Regierung Spaniens, Deutschlands oder den Eurokraten da kommen mögen.

Falscher Stolz, um auf das eingangs erwähnte Thema einzugehen, verbietet es auch jetzt noch klar und deutlich zu bekennen, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist, falscher Stolz verbietet es anscheinend auch anzuerkennen das mit Investment ein Risiko verbunden ist welches sich durchaus in einem Totalverlust manifestieren kann.

Spanien, die EU und auch die Welt kann ohne Banken weiterexistieren, zumindest ohne Investmentbanker die mit fiktiven Szenarien und fikitvem Geld reale Volkswirtschaften und Firmen bedrohen und im Zweifel zerstören. Banken sollen für Liquidität sorgen, nicht diese als Waffe einsetzen.

Die einzige Möglichkeit Spanien, Griechenland, Irland, Portugal und die EU zu "retten" ist die Pleitekandidaten einfach Pleite gehen zu lassen. Die Konsequenzen mögen kurzfristig hart sein, aber schon mittelfristig kann die Krise damit überwunden werden. Manchmal muss man seinen (falschen) Stolz überwinden und der Realität ins Auge sehen.

Einfach "weiterwurschteln" wird nicht helfen, Reaktionspolitik und Salamitaktik seitens der Politik und der Finanzindustrie, vulgo Bankensektor, werden die Krise nicht beenden und weder der ESM noch der EFSF können die Probleme Griechenlands, Spaniens, Irlands oder Italien in irgendeiner Weise lösen.

Wir können als gesichert annehmen, dass Interventionspolitik und maß- und planlose Austerität keine Volkswirtschaft auf die Beine hilft. Damit dürfte bewiesen sein, dass bisherige Rettungsmassnahmen den Patienten vom Vorkoma nur ins Vollkoma zwingen. Ein Weg den man in Betracht ziehen sollte ist die isländische Lösung und schlichtweg die Solidarisierung der Schulden zu verweigern.

Die Krise begann 2008 und so wie es jetzt aussieht hat der wahre Beginn der Krise gerade erst begonnen: sollten die Rettungsmassnahmen letztendlich in Griechenland und Spanien scheitern, bleibt nur noch die Einführung der Neo-Drachme und der Neo-Pesete die logischweise gegenüber dem € abgewertet werden müssten. Setzte man die Neo-Pesete zum Euro beim jetzigen Wechselkurs folgendermassen um:

100 Neo-Peseten = 1€

würde sich die Abwertung wahrscheinlich (Achtung: Spekulation) bei 100 Neo-Peseten = 0,25€ stabilisieren. Die Schulden allerdings würden ja weiter in € geführt, womit sie sich gegenüber dem Einkommen in Neo-Peseten mit einem Schlag vervierfacht hätten. Wenn eine Rückzahlung jetzt schon unwahrscheinlich, um nicht zu sagen komplett unvorstellbar ist, wie sieht es erst dann aus?

Und um abschliessend die Kristallkugel zu bemühen:


Prognose meinerseits:
- Innerhalb eines Jahres wird Spanien "Default" melden.
- Die von der EZB erhaltenen Bankenkredite können ohnehin nicht gezahlt werden, die 100 Milliarden sollen ja ermöglichen die Zinsen (!) zu zahlen.
- Die Autonomien schulden 240 Milliarden. Soviel ist bis heute bekannt. Dunkelziffer eher grösser.
- Finanzbedarf der Banken inoffiziell und sehr konservativ (positiv) bewertet: 150 Milliarden innerhalb von 3 Monaten
- Privatverschuldung dürfte sich auf ca. 1 Billion € belaufen. Davon werden sicher ein paar Prozent der Kredite "faul" sein.
- Stürzt der € in Spanien werden mehr als 50% der Privatkredite mit hoher Wahrscheinlichkeit faul


Ich gehe davon aus, dass das Gesamtrettungvolumen Spaniens zwischen 1.5-2 Billionen € liegt. Damit ist Spanien von keinem Mechanismus der EU oder des IWF zu retten.

PS: Ist es wirklich nur ein Zufall das die "Spanienrettung" genau um Fussball EM-Auftakt stattfindet?

Mittwoch, 6. Juni 2012

Interview im DRADIO Kultur am 07/06/2012

Wer möchte kann ein kurzes Interview zum Thema Spanienkrise und Rettungspaket mit mir im DRADIO Kultur hören. AFAIK morgen am 07/06/2012 gegen 7:45.


Sobald das Interview digital verfügbar ist wird es hier verlinkt.

Und hier ist der Link: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/06/07/drk_20120607_0748_09812928.mp3