Dienstag, 28. Mai 2013

Hunde-Elend


Das sind Chilli (die beigefarbene) und Choco (dunkel). Das Geschwisterpaar, beide Weibchen, ist knapp 8-10 Wochen alt und wurde von uns hier im Dorf (San Cayetano, Murcia, Spanien) vor ein paar Tagen mitten auf der Strasse gefunden. Diese Welpen wurden einfach so ausgesetzt! Wie viele streunende Hunde hier im Dorf kennen sie nur ein Schicksal: Sie werden von ausserhalb in dieses Dorf gefahren und dann werden sie aus dem Auto gestossen und verlassen. Niemand kümmert sich um sie, manchmal spielen Kinder mit ihnen, allzuoft auch rabiat, Tritte und Stockschläge sind nicht selten. Diese Tiere haben auf der Strasse keine Chance, die werden von Autos erfasst, vom Tierfänger gefangen und eingeschläfert, wenn sie es doch schaffen sich eine Weile durchzuschlagen sind diese Hunde meist krank, unterernährt, voller Parasiten und dem Menschen gegenüber misstrauisch und ängstlich.

In "staatlichen" Tierheimen, so es diese noch gibt in Zeiten der Krise, werden diese Tiere nach nur wenigen Wochen (manchmal bei extremer Überbelegung sogar nach Tagen) getötet. Private Tierheime gibt es zwar ein paar, aber alle lehnen die Neuaufnahme von Tieren ab, man sei komplett überlastet und könne keine Hilfe leisten.

Wir selber haben mit +Charles Darwin von und zu Wau vor knapp 7 Jahren bereits einen Hund von der Strasse geholt und behalten. Dank vieler Spender konnten wir vor gut einem Jahr dem Findelhund Mercy die operative Wiederherstellung der Beine und die komplette Mobilität erreichen, Mercy hat zum Glück ein neues Herrchen und Zuhause gefunden.


Chilli
Chilli und Choco lieben Stöckchen!
Choco

Chilli und Choco allerdings haben hier in Spanien wenig bis gar keine Chancen ein Herrchen oder eine Bleibe zu finden, aber beide brauchen dringend ein Zuhause.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Hundewelpe gefunden, an nette und fürsorgliche Herrchen abzugeben

Gerade haben wir die letzte Hunderunde absolviert, da läuft uns dieser Welpe über den Weg. So wie es aussieht vielleicht 8-10 Wochen alt, extrem abgemagert, eine leicht verschorfte Bissverletzung am Hinterlauf und total eingeschüchtert.

Natürlich wie bei den letzten Pflegehunden auch: Die ehemaligen "Besitzer" sind hier ins Dorf gefahren, haben den Hund ausgeladen wie einen Sack Müll und sind dann weggefahren. Das Schicksal des verunsicherten Tieres ist ihnen vollkommen gleichgültig.

Wir machen uns derweil mal an die Erstversorgung: Leichtes Dosenfutter, eine kleine Menge Trockenfutter, Wasser, ein Bad mit Hundeshampoo gegen Haut-Parasiten und den Dreck.

Wenn jemand hier in Spanien lebt und diese liebe junge Hundewelpin adoptieren möchte... bitte umgehend bei uns melden. DANKE!

Bitte Repost und Share.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Der Euro ist am Ende - ein Rettungsplan

Die ersten Nachrichten die mir heute in der spanischen Presse begegnet sind erzeugten bei mir Kopfschütteln:

"Neue Rekorde im Tourismussektor" und "Ausländer kaufen wieder mehr Häuser"
 Quelle: El Economista

Nun wohne ich in der Region Murcia im Südosten Spaniens in einer Region, die in den letzten Jahren (Jahrzehnten) vermehrt auf Hausbau und Tourismus gesetzt hat. Daher könnte man meinen, hier in der Region würde man es ja merken, wenn Touristen kämen und Ausländer wieder mehr Häuser kaufen. Ich kann die propagierten Daten empirisch nicht bestätigen. Es gibt weniger Touristen denn je und es stehen weitaus mehr Häuser zum Verkauf als jemals zuvor, denn viele "Residenten" zum Beispiel aus England können es sich nicht mehr leisten in Spanien zu leben.

Aber selbst wenn die Aussagen die "El Economista" propagiert stimmen sollten, sind beide Daten kein Fundament für eine funktionierende Volkswirtschaft: Vom Häuslebau und Tourismus kann kein Land mit knapp 40 Millionen Einwohnen leben, Renten-, Sozial- und Krankenversicherung bezahlen.

Spanien ist aber kein Einzelfall:
Portugal ist de facto zahlungsunfähig, Irland geht es nur auf dem Papier gut, Zypern ist ein Loch ohne Boden was genausogut auf Griechenland zutrifft. Frankreich ist in Rezession eingetreten, die Krise schlägt jetzt auch dort durch, Deutschland kann seine Rolle im Euro nicht ewig halten und den Euro auch alleine nicht finanziell stemmen. Mit Slovenien haben wir bereits einen neuen Krisenkandidaten und es wird mit Sicherheit nicht dabei bleiben.

Der Euro wird scheitern, dass steht fest.

Es sei denn...

Es gäbe eine Möglichkeit die systemischen Fehler des Euro und des Euro-Raumes zu beheben, die Gemeinschaftswährung am Leben zu erhalten, den Spekulanten Paroli zu bieten und sich dem Mandat der Märkte zu entziehen.

An sich ist es ganz einfach, aber dafür umso schmerzhafter für die Krisengewinnler und für die systematisch steuervermeidenden Konzerne und Banken.

1. Schritt - Steuersystem angleichen.
Wenn im gesamten Euroraum ein einheitliches Steuersystem mit einheitlichen Steuersätzen herrscht, wird Steuervermeidung unmöglich. Staatseinnahmen werden planbar, projektierbar und vor allem lohnt es sich nicht mehr innerhalb europäischer Staaten Gewinne zu verstecken und verbuchen um Steuern zu vermeiden.

Auch das Einkommens- bzw. Lohnsteuersystem muss angeglichen werden, gleiche Steuersätze im gesamten Euroraum.

Letztlich muss das Steuersystem drastisch vereinfacht werden. So wenig Sondersteuern wie möglich, keine Steuerermässigungen oder -erstattungen. Steuern haben transparent zu sein und für jeden Bürger verständlich.

Steuervermeidungsmodelle müssen konsequent kriminalisiert werden, Steuerhinterziehung sollte nicht ausschliesslich strafrechtlich belangt werden, es sollte möglich sein das illegal angehäufte Vermögen "in toto" zu konfizieren.

Das Steuergeheimnis ist überkommen, die Steuererklärung hat öffentlich nachvollziehbar zu sein.

Firmen die Geschäfte in der Eurozone tätigen haben immer und ausnahmslos Steuern innerhalb der Eurozone zu entrichten.

2. Schritt - Mindestlohn für alle und überall.
Arbeit muss sich lohnen, aber immer für den der Arbeit hat und annimmt. Dazu gehört ein gesetzlich verankerter Mindestlohn, der im gesamten Euroraum identisch ist. Der Mindestlohn muss es ermöglichen ein menschenwürdiges Leben zu fristen und die Ausgaben des täglichen Lebens zu bestreiten.

Es ist Fakt, dass es nicht genug Lohnarbeit gibt für alle Menschen. Angesichts von Automation, Effizienzsteigerung, Überstunden und angehobener Lebensarbeitszeit wird es nie wieder etwas wie Vollbeschäftigung geben. Daher müssen diese Dogmen auf den Prüfstand. Sinnvoller wäre: 30 Stundenwoche, Verbot von "regulären" Überstunden. Lebensarbeitszeit bis 63, max. 65 in bestimmten Professionen muss diese Arbeitszeit angepasst werden (Risikofaktoren).

Wer sich gesellschaftlich engagiert sollte dafür entsprechend kompensatorisch entlohnt werden, auch wenn dies nicht in der Form eines regulären Arbeitsverhältnisses geschieht. Ziel muss es sein ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Mitglieder der Euro-Raums zu garantieren. Bürger die darüber hinaus für die Gesellschaft nutzbringende Tätigkeiten ausüben erhalten Vergünstigungen, Boni oder sonstige Anerkennung.

 3. Schritt - Qualität in Forschung und Bildung
Das Bildungsniveau in Europa ist nicht homogen, der Zugang zu Bildung ist nicht universell und unausreichend. Es braucht mehr Lehrer, Ausbilder, Professoren die einem europäischen Bildungsstandard folgen. Bildung muss wichtiger werden, vor allem muss ein Ziel der Bildung sein die Schüler und Studenten Methodiken an die Hand zu geben um zu einem zumindest passablen Autodidakten werden zu lassen. "Lifelong learning" muss sich als Standard durchsetzen, es kann und darf nicht sein, dass Naivität und Ignoranz von einigen Gesellschaftsschichten zelebriert werden.

Statt Geld für Drohnen und militärische Spielereien auszugeben, sollte Europa sich besser darauf konzentrieren die naheliegenden Probleme zu lösen: Energie, Versorgung, Ernährung, Transport, Bildung, Kommunikation, Klima, Medizin, Langlebigkeit, Altersforschung.

Projekte die sich als Milliardengräber entpuppen müssen sofort eingestellt werden, eine Gesellschaft kann es sich im Jahr 2013 nicht mehr leisten Beträge zu "versenken" mit denen man ganze Städte renovieren könnte.

Europa ist ein Fortschritts- und Kommunikationsfeindliches "Land". Wir müssen garantieren, dass unsere Jugend frei von nationalen Befindlichkeiten und Besonderheiten aufwächst, die "nationale Idee" ist rückwärtsgewandt und zivilisationsfeindlich. Daher muss ein stetiger kultureller Austausch erfolgen, Austauschprogramme und Auslandsstudien sind notwendig. Programme die die Ökonomisierung des Studiums zur Folge hatten müssen rückgängig gemacht werden (Bologna). Ein Studium hat nicht zwingend berufsvorbereitend zu sein, ein Studium soll höheren Zwecken dienen und nicht dem Ziel stromlinienförmige Konformisten für die Wirtschaft zu produzieren.

4. Schritt - Soziales Europa
Die Sozialleistungen in Europa haben einheitlich zu sein. Eine Zivilisation erkennt man daran, wie sie ihre Ärmsten behandelt, also sollten wir uns Mühe geben. Kranke und Arme sollten so gut wie nur möglich behandelt werden. Es darf keine Mehrklassenmedizin geben, Fortschritt und Stand der Technik müssen jedem offen stehen. Daher zahlen alle Bürger in eine gemeinsame Krankenkasse ein, die alle medizinisch notwendigen Behandlungen und Mittel einsetzt um die Bürger zu versorgen, das inkludiert natürlich Sehhilfen, Zahnersatz und Hilfmittel (zum Beispiel Blutzuckermessungen bei Diabetikern). Nicht indizierte Behandlungen könnte man privat versichern bzw. direkt bezahlen.

Soziales Engagement sollte belohnt werden. Auch wenn nicht für alle Menschen ein Arbeitsplatz vorhanden sein sollte, so gibt es mit Sicherheit genug Arbeit für alle. Diese Arbeit muss gerecht und angemessen entlohnt werden.

5. Schritt - Infrastruktur
Der Euro-Raum braucht eine Infrastruktur um den Anforderungen gerecht zu werden. Öffentlicher Nahverkehr hat Fahrscheinfrei zu erfolgen, Personennahverkehr ist kein Privileg sondern ein Menschenrecht, dieser muss aber nicht mit einem PKW erfolgen. Bus und Bahn können und müssen die Alternative darstellen, dabei muss sich der Staat von der Idee trennen, dass die Bereitsstellung von Infrastruktur eine Lizenz zum Gelddrucken darstellt: Es handelt sich um eine erforderliche Dienstleistung die durchaus aus defizitär sein darf, das liegt in der Natur der Sache. Einmal von dieser Idee abgekommen, kann wieder mit dem Ausbau von Bahn- und Buslinien begonnen werden.

Insgesamt muss sich die Gesellschaft und die Politik vom ökonomischen Denken lösen: Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, Personentransport, Energieversorgung, Wasser usw. sind keine Unternehmen die tatsächlich Gewinne erwirtschaften sollten: Sie stellen die wichtigste Grundversorgung dar, also sollte man nicht mit Gewinnen rechnen.

6. Schritt - Wirtschaft
Geschäftsmodelle funktionieren, oder sie funktionieren nicht. Es ist nicht Aufgabe des Staates überkommene Geschäftsmodelle zu stützen. Das gilt auch und besonders für Kommunikationsunternehmen, Verlage, Medienunternehmen, Werbeunternehmen, Autohersteller, Atomkraftwerke etc.


[...]

WORK IN PROGESS --- WIRD NOCH ERWEITERT --- VORSCHLÄGE WILLKOMMEN

Mittwoch, 24. April 2013

Eine Replik auf Prof. Dr. Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission - "Netzneutralität: Die Perspektive eines Wettbewerbsökonomen"

Replik auf diesen Eintrag im INSM-Blog.

Sehr geehrter Herr Haucap,


als Mitglied der Monopolkommission und als Wettbewerbsökonom hätte ich ein wenig mehr Sachverstand, oder sollte ich sagen überhaupt Sachverstand, erwartet.


Schauen wir uns Ihre Argumentation Schritt für Schritt an:



"Zunächst einmal ist grundsätzlich festzustellen, dass eine preisliche Differenzierung nach Nutzungsverhalten durchaus sinnvoll ist."


Für diese Affirmation bringen Sie weder ein positives Argument, noch einen Beweis, als ob dies eine in Stein gemeisselte Tautologie wäre.



"Die Internet-Backbones sind nicht kostenlos einfach da, sondern müssen bezahlt werden. Dass nun die „heavy user“, die viel nutzen, mehr zahlen sollen als „light user“ ist absolut vernünftig. Das ist auf fast allen anderen Märkten auch so."

1. Die Datenübertragungskosten sinken seit Jahren beständig, während die DTAG für das vom Steuerzahler geschenkte Netz keinen Cent hinlegen musste. 

2. Die DTAG ist als Netzbetreiber nicht defizitär, ewig steigende Gewinnmargen sind kein Argument sondern ein Dogma.
3. Der sogenannte "heavy user" kann in weniger als 24 Stunden das Limit erreicht haben. Herr Haucap, wie nenne Sie einen Dienst der auf monatliche Nutzung ausgelegt ist und der nach einem Tag Nutzung nur noch als "funktional kaputt" zu bezeichnen ist?

Wenn ich mir ein ICE-Monatsticket kaufe, welches mich nach einem Tag Nutzung auf die Regionalbahn verweist, denn halte ich den Begriff "ICE-Ticket" (oder Highspeed-Internet, Flatrate, etc) für Neusprech aus der Marketingabteilung und eine Lüge. Einen Verstoss gegen UWG sollte man eventuell auch prüfen.


4. "Das ist auf fast allen anderen Märkten auch so."

Wieder eine Affirmation die so nicht stimmt. Flatrates sind den Kunden nicht von den Netzanbietern aufgezwungen worden, sondern sind das Ergebnis einer logischen und konsequenten Marktentwicklung und der Notwendigkeit diese Art von Infrastruktur als notwendigen Basisdienst zu sehen.
Was in allen Märkten gleich ist, ist das Bestreben den Kunden so weit wie möglich abzumelken, was ehemaligen Monopolisten sehr gut gelingt.


"Bei einer vorher nicht vereinbarten Drosselung des Dienstes gibt es jedoch immer Sonderkündigungsrechte."
Das ist fraglich, denn die sogenannten "Datacaps" gab es beinahe immer schon, nur schlummerte dies meist im Kleinstgedruckten.


"Wenn die Telekom in ihren neuen Tarifen eine Chance sieht, Gewinn und Umsatz zu steigern, ist auch die Beschränkung von Datenvolumen und Priorisierung von bestimmten Diensten grundsätzlich nicht verboten."

Dies zu prüfen obliegt zum einen der Netzagentur. Sollte die Monopolkommission damit betraut werden, dann möchte ich hoffen das Sie bis dahin eine differenziertere Meinung angenommen haben.



"Wem das missfällt, der kann ziemlich problemlos den Anbieter wechseln und sollte das auch tun. Der Breitbandwettbewerb hat sich auch Dank der Kabelanbieter in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Wer nicht wechselt, wenn ihm sein Anbieter missfällt, ist selbst schuld."

An dieser Stelle müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, von der Materie nicht die geringste Ahnung zu haben. Der Breitbandausbau in Deutschland findet unter Ausschluss der Gemeinden und Dörfer statt. Die Tatsache das es in Städten mitunter 2, 3 oder mehr Wettbewerber gibt, sagt nichts über die Situation am Stadtrand aus! Abgesehen davon findet der Wettbewerb in den meisten Fällen auf dem Netz der Telekom statt, dass dieser bekanntlich par ordre mufti vom Steuerzahler geschenkt bekam, während der Wettbewerb diese Netze mühsam aufbauen muss.



"Die Idee, dass der Staat alle Anbieter zu einem möglichst gleichförmigen Angebot mit möglichst gleichen Tarifen zwingen soll, ist furchterregend."

Viel furchterregender ist die Tatsache, dass ein ehemaliger Monopolist der im Besitz der einzig flächendeckenden Infrastruktur ist, es sich erlauben kann solche Änderungen anzukündigen und dabei von einem Mitglied der Monopolkommission unterstützt wird. Haben Sie ihren Auftrag eventuell missverstanden?



"Der Wettbewerb lebt davon, dass Kunden ihren Anbieter wechseln, wenn er ihnen nicht gefällt."

Bitte erklären Sie dies den Kunden, die keine Alternativen haben. Ich bin gerne bereit solche Treffen zu vermitteln und sorge dafür dass die Beschwerdeträger ausreichend mit Mistgabeln und Fackeln versorgt werden.



"Aufgabe des Staates ist es nicht, für ein möglichst homogenes Durchschnittsangebot für alle zu sorgen [...]"

Ich gehe nicht davon aus, dass Ihnen das Konzept einer obligatorischen Grundversorgung bekannt ist, oder?


Nachtrag:
Bandbreite und Datenrate sind zwei verschiedene Dinge: http://myweb3.hs-harz.de/mkreyssig/af/pdf/BandbreiteDatenrate.pdf

Damit es auch hier nochmal ganz klar und deutlich gesagt wurde:

Wenn es der Telekom wirklich um eine bessere Resourcenverteilung (ergo Datenrate) ginge, dann würde sie mehr Menschen eine geringere Datenrate (= maximaler Datendurchsatz) zubilligen und nicht damit werben, dass schnellste Netz zu haben.

Weiterhin ergibt sich ein Paradoxon:

Der Nutzer kann nicht auswählen, wann denn sein "schnelles" Datenvolumen aktiviert ist. Statt dessen wird es generell und für alle am Anfang des Abrechnungszeitraumes freigeschaltet (siehe analog im Mobilfunk). Wenn also eine Netzüberlastung tatsächlich der Grund für die EInführung der Datacaps wäre, dann würde das Netz der DTAG am Anfang des Monats vollkommen kollabieren und erst im Schnitt ab Tag 3-7 des neuen Abrechungszeitraumes benutzbar werden, was dem Nutzer aber nichts bringt, denn an dieser Stelle ist das "Inklusivvolumen" der "Volumenflat" ja aufgebraucht und statt ICE fährt man jetzt Regionalbummelbahn.

Zweiter Denkfehler: Als Traffic wird laut Telekom sowohl eingehender als ausgehender Verkehr angerechnet. Wie geht man den mit UDP-Paketen um, die unangefordert empfangen werden? Sobald die IP-Adresse bekannt ist kann ein beliebiger anderer Teilnehmer diesen mit UDP-Traffic bombardieren und somit willentlich den Traffic eines Dritten hochjagen. Das wäre eine neue Form des digitalen Vandalismus. Kann das gewollt sein?

Herr Haucap, dass was die Telekom da treibt hat weder Hand noch Fuss und ist vor allem nicht durchdacht worden. Es ist schädlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland, schädlich für die Innovation und stellt praktisch einen Internet-Zoll dar. Durch die Ausnahme bestimmter Dienste von diesem Zoll führt die Telekom einen Internet-Merkantilismus ein.

Wenn die Sie oder die Monolpolkommission nicht die Qualifikation besitzen um die sich ergebenden Probleme zu erkennen, dann sind Sie doch hoffentlich in der Lage entsprechende externe Berater anzurufen und sich den Sachverstand so einzuholen. Wenn sie, wie hier offensichtlich geworden ist, dem Thema fachlich nicht gewachsen sind, dann sollten Sie sich einer solchen Aussage im Zusammenhang mit Ihrer Stellung verkneifen. So wie es jetzt aussieht, sind sie als Mitglied der Monopolkommission untragbar.  

Nachtrag 2:

Ich habe auf Youtube ein kleines Werbevideo gefunden, welches genau auf die aktuelle Einstellung der DTAG passt: 




Nachtrag 3 vom 25.4.2013:

In einem Gespräch auf Twitter zwischen @presseschauer und @haucap konnte man gestern Nacht sehen, mit welch sauberen Argumenten der Herr Haucap so arbeitet:

Wer seiner Argumentation nicht folgt ist dann eben ahnungslos.

Dienstag, 23. April 2013

Glosse des Tages - DTAG: Deutsche Telekom - Fragen und Antworten zur DSL-Drossel

Fragen und Antworten

23.04.2013
Angesichts des rasanten Datenwachstums stellt die Telekom die Tarifstruktur für Internetanschlüsse im Festnetz um. Wir wissen einfach nicht mehr wohin mit den ganzen Daten. Vielleicht kann uns ja Dropbox, Amazon oder Google erklären wie die die Daten halten und welches Futter die benötigen. Irgendeiner sprach von Cookies, aber wir können uns nicht vorstellen, dass man sich nur davon ernähren kann. Ausserdem braucht unser Vorstand neue Milliardenboni, wir haben es gerade erst geschafft die Verluste die von Ron Sommer  und der Obermännchen eingefahren wurden in der Bilanz zu verstecken. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Tarifstrukturen geben wir hier nicht, aber lesen Sie ruhig weiter.
Warum führt die Telekom auch im Festnetz Volumentarife ein?
Wir wollen den Kunden auch in Zukunft mit wenig Arbeit und ungenügender Infrastruktur das Geld aus der Tasche ziehen, dafür investieren wir weiterhin Milliarden in Managerboni und sinnlosen Auslandsaquisitionen um ein Global Player zu werden. Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren, naja eigentlich schon, aber eben nicht wenn die gesamte obere Managementetage sich pro Jahr zwei Häuser am Tegernsee leisten möchte, ausserdem sind die Kontoführungsgebühren in der Schweiz gestiegen, vor allem bei den Banken die nach wie vor Wert auf Diskretion legen. Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen, naja eigentlich müssen wir nicht, aber wir wollen, also werden wir es machen und die Kunden werden es bezahlen, schliesslich sind wir ja immer noch so gut wie Monopolist, gelle? Volumentarife sind im Mobilfunk längst üblich, also sind die Kunden an Abzocke ohnehin gewöhnt. Warum also liebgewonnene Gewohnheiten aufgeben. Und sie haben den Vorteil, dass wir an den Kunden mehr verdienen müssen, die das Internet beruflich, schulisch oder künstlerisch nutzen.
Wie wird die Beschränkung eingeführt?
Die Einführung der neuen Tarife erfolgt schleichend: Zunächst werden zum 2. Mai 2013 die Leistungsbeschreibungen für neue Verträge angepasst, natürlich ins Kleinstgedruckte, wie es sich für einen guten Konzern gehört. Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen, zumindest sagen wir das heute. Morgen kann das schon anders sein, wir werden die betroffenen Kunden selbstverständlich spätestens dann informieren, wenn 3-5 Reklamationen pro betroffenen Kunden eingegangen sind. Oder auch nicht, whatever. Wann die Telekom die Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich einführt, hängt von der Willkür und Geldgier gelangweilter Produktmanager ab. Wir gehen bisher davon aus, dass wir die Limitierung technisch nicht vor 2016 umsetzen, schliesslich arbeiten wir hier mit Vollprofispezialisten von T-Systems. Vorher bekommen Kunden die Möglichkeit, ihren tatsächlichen Datenverbrauch im Kundencenter im Internet nachzuvollziehen, naja was heisst schon "nachvollziehen", wir aktualisieren den Zähler mittels einer random-Funktion und schauen wer es merkt. Mit der Umsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzung wird die Telekom Zubuchoptionen einführen, schliesslich wollen die gelangweilten Produktmanager mal wieder neue Produkte kreiern. Damit können Kunden über das integrierte Volumen hinaus das Internet mit Hochgeschwindigkeit nutzen, ausser Youtube, denn das bekommen wir nicht hin. Die Details der Zubuchoptionen wird die Telekom rechtzeitig bekannt geben, aber wir sind sicher das wir einen guten Schnitt machen.
75 Gigabyte sind doch viel zu wenig!
Im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 Gigabyte (GB). Wenigstens gilt das für unsere Referenzgruppe im Altenheim Waldesruh in der Nähe unserer Konzernzentrale. Das geringste integrierte Datenvolumen wird 75 GB betragen. Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming, also mehr als ausreichend für jemanden der einen Hauptberuf hat und mindestens 2 Nebenjobs um sich das Leben in Deutschland leisten zu können. Leistung muss sich wieder lohnen und Prokastrination im Internet muss man sich auch leisten können, also geht arbeiten ihr faules Pack!
Warum erhöht die Telekom nicht einfach die Preise für alle?
Das wäre ja doof und würde die Bundesnetzagentur auf den Plan rufen. Indem wir "mimimimi Netzüberlastung" rufen und dann die Netzneutralität kaputtmachen wecken wir doch keinen Beamten auf!
Will die Telekom nicht einfach nur abzocken?
Von Abzocke kann keine Rede sein, also ein klares JA. Vorteil der Volumentarife ist, dass damit in Zukunft alle Kunden mehr zahlen müssen. . Grundsätzlich gilt: Die Telekommunikationsbranche in Deutschland insgesamt verzeichnet sinkende Umsätze bei steigenden Gewinnen, für ein börsennotiertes Unternehmen ist das nicht hinnehmbar, denn wir benötigen steigenden Umsatz bei raketengleich steigenden Gewinnen, so wie die Strombranche. Gleichzeitig stehen Milliardeninvestitionen in den Breitbandausbau an die wir uns nicht leisten wollen, schliesslich hat uns der Staat das Netz geschenkt, jetzt sollen die gefälligst auch den Ausbau bezahlen, wo kämen wir hin wenn wir Investitionen tätigen müssten? Es muss für Unternehmen die Möglichkeit geben, mit Investitionen Geld zu verdienen... sagt zumindest die FDP. Leistung anderer muss sich für uns lohnen. Oder so.
Was ist mit Entertain?
Wissen wir auch nicht. Nutzt das irgendwer? Keine Sorge, bald werdet ihr müssen, da wir euch Youtube, Hulu, Netflix, Amazon und Co wegnehmen werden.
Was ist mit Sprachtelefonie?
Benutzt das jemand? Das Skypen werden wir euch abgewöhnen, Hangouts sind für uns ja auch so ein rotes Tuch... Benutzt doch das Telekom-Netz, wir führen bald interessante Minuten-Pakete ein.
Und was ist mit Fon?
Teilen Kunden künftig über WLAN TO GO (Kooperation mit Fon) ihr WLAN mit anderen Nutzern, läuft das hierbei erzeugte Datenvolumen separat und wird für das Volumen des Kunden ebenfalls nicht angerechnet. Wenn ihr also schlau seit, macht ihr das Filesharing über den FON-Zugang, da gibt es auch keine Störerhaftung!
Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?
Was?!
Was kann ich machen, wenn ich mein Volumen aufgebraucht habe?
Die tatsächliche Umsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzung erfolgt frühestens 2016, oder zu einem beliebigen Zeitpunkt früher, denn verbindlich ist nur was im Vertrag steht und nicht auf einer FAQ-Seite die wir in 5 Minuten editieren können. Naja sobald wir jemanden bei T-Systems gefunden haben der HTML und CSS kann.

Montag, 15. April 2013

Kurz verbloggt:

Google+, Facebook, Twitter, Usenet... überall wird geschrieben, diskutiert und oft auch gestritten oder beschimpft.

Eine Gesetzmässigkeit ist mir aufgefallen, die ich an dieser Stelle als "Rafaels Postulat" verewigen möchte:

Die Person des Aussagenden beeinflusst die Aussage.

Der Google Reader ist tot, es lebe RSS!

Eine kleine Anmerkung am Rande:

Obwohl Google den Reader abstellt, scheint RSS als Standard alles andere als tot zu sein. Während vor der Ankündigung eines unnatürlichen Todes hier in meinem Blog kaum Traffic per RSS kam, so generieren RSS Reader gut 300-400 Besuche pro Tag, was bei meinem aktuellen Besucherzahlen 35-40%  der Leserschaft ausmacht.

Damit hat der Tod des Reader dem Standard RSS wohl tatsächlich gut getan. Ich habe nachdem ich vom verstaubten Reader zu Feedly gewechselt bin, meine Feeds auch entstaubt und einiges neuorganisiert und neue Feeds und Nachrichtenquellen hinzugekommen.

Samstag, 13. April 2013

Bilderserie "Bauruinen in Spanien" - Teil 5 Los Alcázares, Diverses

Teil 3 ist hier zu finden.
Teil 4 ist hier zu finden.

Unbebaute aber erschlossene Parzelle am Strand. Hier passiert nichts mehr.
Tolle Aussicht für die (wenigen) Anwohner. 
Kilometerlang gar nichts.
 Für Landschaftspflege ist Geld da.


Hier sollten Eigenheime und Ferienwohnungen stehen.
Statt dessen sieht man nur Leere. 






Die Sonne verbrennt beinahe alles. Unbenutzte Infrastruktur verkommt zusehends.


Heute 68.000€. Ein Wertverfall von 60% in 3 Jahren.



Dienstag, 9. April 2013

Wenn...

Wenn die letzte Freiheit verwirkt,
das letzte Leistungsschutzrecht beschlossen,
die Bestandsdatenauskunft normal,
der Bundeswehreinsatz im Inneren Tagesgeschäft,
Politikerkorruption kein Thema
und der Bundestrojaner flächendeckend eingesetzt wird...


... werden die Piraten begreifen das man mit Genderthemen keine Wahlen gewinnt.

Montag, 8. April 2013

Früher waren weniger Sozialpädagoginnen

Die Piratenpartei - einst Hoffnung auf Redemokratisierung, Beteiligung, Transparenz, "hack the Planet and make it better" und nun eine herbe Enttäuscht.

Früher(TM) bestanden die Piraten aus Sysadmins, Technikern, Wissenschaftlern, Geeks, Nerds und insgesamt aus Leuten die vor allem dadurch glaubhaft und sympathisch wurden, weil sie dadurch auffielen ihren Verstand zu gebrauchen. Das war in der Politik etwas vollkommen neues und bei den Wählern wuchs die Erwartung das wenn man endlich nicht mehr nur Vollpfosten in die Parlamente wählen würde, vielleicht sich ja mal etwas zum Besseren würde ändern lassen können.

Dieses Ausstrahlung und dieses Flair liess die Piraten einige Wahlen gewinnen. Damit verbunden: Die Partei wuchs in beinahe alptraumhaften Ausmassen und konnte einige Achtungserfolge bei den etablierten Politikern und Parteien verbuchen.

Allerdings kamen mit den Erfolgen auch Karrieristen die bei anderen Parteien gescheitert waren und sich von den Piraten einen sicheren Listenplatz, Ruhm und Ehre oder eine Pateikarriere versprachen. Es kamen U-Boote und plötzlich sollte man alle möglichen verschiedenen und teilweise konträren Ideologien in einer Partei integrieren.

Herausgekommen ist zum heutigen Stand eine Art "Die Grüninnen 2.0 Partei", bei der plötzlich Heilpraktiker und Werbefachleute den Ton angeben, Theaterpädagogen in geschäftsführender Position ist und es einen Parteivorsitzenden der bei der Bundeswehr arbeitet (insert here your favourite Verschwörungstheorie).

Die Partei ist dem Wähler in letzter Zeit vor allem durch eines aufgefallen: Shitstorms, Buchveröffentlichungen einiger prominenter Piraten, Shitstorms, interne Querelen, Shitstorms und einem Shitstorm zu feministischer Kackscheisse vulgo irgendsoein Genderthema was den Sozialpädagoginnen sicher sehr wichtig war.

Schlaue Leute, also Techies und Nerds, hatten in der Satzung ein Ideal festgeschrieben: Postgender. Statt dieses Ideal zu leben und zu propagieren sind Generthemen in der Partei so beliebt wie nie zuvor - darüber können Sozialpädagoginnen tagelang schwadronieren ohne jemals irgendetwas gesagt zu haben. Tatsächliche "harte" Themen liegen den globuliaffinen Erziehern (genderneutral) und Werbefuzzis (pejorativ, genderneutral) nunmal nicht so, da könnte die Basis der Eigenen intelektuellen Minderbewaffnung gewahr werden, also lieber weiter schrill kreischen (dank patriarchalischer Mikrofonverschwörung garantiert) und Genderthemen zu einem Thema machen. Nicht das man Themen anspricht, die den Wähler interessieren, denn mit Gender kann man bekanntermassen den Wähler so richtig anziehen und gewinnen... äh nein, eben nicht.

Die meisten Techies und Nerds die ich kenne schütteln angesichts des Panoramas den Kopf und überlassen das (Schlacht-)Feld den Lautsprechern aus der Globuli- und Heilpraktikerfunktion. Kein Wunder, denn mit solchen Leuten kann man nicht diskutieren oder zusammenarbeiten.

Die Piraten schienen eine neue Partei der Vernunft zu sein, ein Heim für Skeptiger, Atheisten, Menschen die tradierte Verhaltenweisen hinterfragen und etwas neu und besser machen wollten. Gekapert worden sind die Piraten von Heilpraktikern, Homöopathen, Lobbyisten mit eigener Agenda und Leuten die der Meinung sind es brauche eine Chimäre auch FDP und Grüne mit einem Faible für Netzpolitik.

Es gibt immer noch einige Piraten die hoffen, die warten das die Selbstheilung eintritt wenn die nächste grosse Wahl verloren wird, wenn Karriereträume platzen und Austritte eine Katharis einleiten. Andere Ex-Piraten haben sich bereits abgewandt von der Partei und schütteln entsetzt bis verzweifelt den Kopf wenn die nächste Sau durch's Twitterdorf getrieben wird.


So long Piraten, and thanks for all the popcorn. 

Denen die (politisch) aktiv bleiben wollen um etwas zu erreichen und zu ändern: Unterstützt lieber den CCC, den ehemaligen Foebud wie immer der jetzt heisst und die diversen netzaffinen AKs. Die Piraten sind so wie sie jetzt strukturiert und aufgestellt sind nicht wählbar.

Sonntag, 7. April 2013

Gerücht: Google kauft Whatsapp - alle Jahre wieder

Das Gerücht das  die Firma (und das Produkt)  kaufen würde gab es immer wieder. Vor knapp 2 Jahren habe ich das vehement bestritten: Meiner *Meinung* nach macht es keinen Sinn denn:

- Whatsapp nutzt den XMPP-Standard den Google länger und besser beherrscht
- Die Userbasis von Whatsapp jenseits von Android ist für Google nur sekundär interessant in dieser Angelegenheit
- Jeder Whatsapp-Nutzer auf Android ist zu mehr als 90% auch Google-Kunde, warum sollte man Geld ausgeben für Kunden sie man schon hat?
- Technologisch bietet Whatsapp nichts, was Google nicht schon jetzt kann, wobei Google mehr Nutzer hat und mehr Funktionen bietet als es Whatsapp derzeit macht.
- Das Letzte was Google braucht ist noch eine Messaging-Platform die mit den anderen die man betreibt unkompatibel ist und sich den selben Protokollstandard teilt.
- Das Geld könnte man sinnvoller aus dem Fenster werfen.

Dennoch taucht das Gerücht periodisch auf, also frage ich mich: WARUM???
Welche Gründe könnte es denn geben, die Whatsapp für Google interessant machen?
Die Diskussion ist eröffnet! 


Diskussionsbeiträge bitte wenn möglich bei Google+.

Samstag, 16. März 2013

Ist die Beteiligung der Zyprer (Zyprioten?) bei der Zypern-Rettung legal?

Die EU wird Zypern retten, im ersten Schritt sollen es wohl an die 10 Mrd. € sein, die in vom ESM aufgewendet werden sollen um den angeschlagenen Staat und dessen Banken zu retten.

Eine Neuheit gibt es allerdings bei der Zypern-Rettung:
Zum ersten Mal werden die Inhaber von Guthaben auf zyprischen (zypriotischen?) Banken in die Tasche gegriffen - Guthaben von bis zu 100.000€ werden mit 6,75% zwangsbesteuert (oder zwangsenteignet?), Guthaben jenseits der 100.000€ werden mit 9,9% belastet.

So wie man es der Berichterstattung entnehmen kann, haben die Banken Zyperns diese Beträge bereits "eingefroren", das Onlinebanking vorübergehend deaktiviert und verweigern bei dem in der Presse genannten "Mini-Bankrun" die Auszahlung der gesperrten Beträge.
Weiterhin kann man der Presse entnehmen, dass nun von der Regierung Zyperns erwartet wird das lange Wochenende zu nutzen um ein Gesetz zu schaffen welches diese Massnahme legitimiert. Mir stellt sich dabei vor allem eine Frage: Auf welcher Grundlage kann eine Bank die Auszahlung eines Guthabens mit Blick auf eine eventuelle und auf jeden Fall zukünftige Gesetzgebung verweigern? Welches Rechtsverständnis herrscht bei den Eurokraten, wenn eine solche Willkür Einzug hält?
Mit welcher Rechtssicherheit soll man Verträge schliessen, Geld anlegen oder Transaktionen tätigen, wenn auf Anweisung demokratisch nicht legitimierter "Entscheidsträger" Guthaben durch Banken nicht mehr ausgezahlt werden? Welchen Schluss sollte man als Bürger und Kunde einer Bank daraus ziehen?

Aus dieser Massnahme kann nur folgen, dass man auf der Bank nur das notwendigste Guthaben für periodische oder anstehende Transaktionen belassen sollte. 

Vertrauen in Banken, Regierungen und in eine Gemeinschaftswährung kann man so auch zerstören. Sollte diese oder ähnliche Massnahmen in Griechenland, Spanien, Portugal, Irland oder Italien durchgeführt werden, ist der Euro mit sofortiger Wirkung dem Ende geweiht.

NACHTRAG:

Soeben auf Sueddeutsche.de gelesen:


 Zyperns Finanzminister Michalis Sarris zufolge hat die Regierung bereits dafür gesorgt, dass die Abgabe nicht per Internet-Banking abgehoben werden kann. Sarris zufolge können die Kunden "zu hundert Prozent" mit Anteilen der Banken für ihren Pflichtbeitrag entschädigt werden.

1. Damit ist klar: Die Zwangsabgabe ist noch nicht Gesetz und noch nicht klar definiert. Hier wird "sine lege praevia" gehandelt, also ohne das es eine gültige Gesetzesgrundlage gäbe.
2. Die Enteigneten sind also nach dem Vorschlag von Sarris "Zwangsanleger" bei im Zweifel wertlosen Banken. Was eine intervenierte Bank Wert sein kann, dass kann man bei der HRE sehen, bei der Commerzbank oder in Spanien bei BFA Bankia und Co.
Welche "Werte" und Sicherheiten eine solche Bank oft hält, kann man sich gerne hier im Blog ansehen - Bilderserie Bauruinen.


Nun hat man sich geeinigt, dass ein privates Unternehmen die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Maßnahmen überprüft. 
Damit wird in Europa ein privates Unternehmen für die Durchführung hoheitlicher Aufgaben herangezogen. Liebe Eurokraten, GEHT'S NOCH?! Private Unternehmen haben diese Krise verursacht, nachdem Politiker und Regierungen ihnen freie Hand gelassen hatten, nun macht man den Bock erneut zum Gärtner. Klingt ganz so, als wäre die Regierung Merkel federführend bei diesem "Kompromiss" gewesen.

Die zyprische Regierung muss Staatsfirmen privatisieren. 
Die Privatisierung ist ein so erfolgreiches Modell, dass viele Städte und Gemeinden gerade einen Rückzieher machen. Privatisierung von Infrastruktur ist das Schlimmste was eine Regierung machen kann. Siehe England, Spanien, Deutschland, USA, etc.

Bei SPON wird die Zwangsenteignung als Tabubruch bezeichnet und die Phasen der Tabubrüche aufgelistet, allerdings scheinen die EZB, die Regierungen und vor allem der IWF auf einen Tabubruch ganz gezielt verzichten zu wollen:

Eine Pleite-Bank mal nicht zu retten, die Verluste nicht auf die Bürger abzuwälzen.

Nachdem wir nun alle aus Griechenland, Portugal, Irland und Spanien wissen, wie es aussieht wenn ein Staat die Banken rettet und die Gläubiger auszahlt, obwohl jede Investition mit einem Risiko verbunden ist, welches eigentlich der Investor zu tragen hätte, möchten wir gerne mal ein Experiment starten: Was passiert denn wenn Bankia, Banco Santander, BBVA, Deutsche Bank, Commerzbank, HSBC etc. einfach mal das selbst verschuldete Risiko bis zum bitteren Ende tragen müssen? Ich wette die Welt geht davon nicht unter, entgegen der Ansicht die Wolfgang Schäuble vertritt.

Freitag, 15. März 2013

Charly macht Geräusche





Charly macht Geräusche






via Tumblr http://rafaelwv.tumblr.com/post/45417715194

Sonntag, 10. März 2013

Bilderserie "Bauruinen in Spanien" - Teil 4 Los Alcázares, Diverses

Baufertige Parzelle. Die Baugenehmigung wird inzwischen wohl verfallen sein.
Eine fertige Strasse inmitten von Parzellen und Bauruinen
Eine "Luxuswohnanlage". Nur wohnt hier niemand.
Das Gelände wirkt gepflegt, die Bauten sind zumindest zu 99% beendet. Hier wird noch versucht etwas zu verkaufen.
Die Struktur steht seit Jahren so rum.
Blick auf die Bauruinen aus Teil 1.
Wer will in so einer Gegend schon wohnen?

Samstag, 9. März 2013

Breaking News: Flughafen BER & Hartmut Mehdorn

*** Breaking *** 

Nachdem am Montag der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn (70) die Leitung des Bauprojektes Berliner Flughafen (BER) übernimmt, wurde bereits jetzt bekannt, das Mehdorn eine entscheidende Verbesserung an den Bauplänen vorzunehmen gedenkt, Zitat Mehdorn "Der Flughafen kommt unterirdisch! Das wird ein ganz heißer Scheiß!"

Donnerstag, 7. März 2013

Google Drive for Linux?

Ich suche immer noch nach einer Optimallösung für Google Drive unter Linux. Insynch funktioniert irgendwie nur einseitig, ein Client so wie Dropbox, das wäre genau das was ich brauche.

Aus purer Verzweiflung habe ich heute gegoogled und siehe da:

Google Drive für Linux herunterladen ...?
Leider gibt es da noch keinen Client für Linux zum herunterladen, auch wenn es zuerst danach aussieht. Allerdings lässt dies darauf schliessen, dass der Linux-Client irgendwann in naher Zukunft kommen wird.

Falschinformation: Heute.de Beitrag: Gesund kochen für 2,50€/Tag

Gerade eben ist mir ein TV-Beitrag auf der Seite heute.de aufgefallen:

Gesund kochen für 2,50€?

Ein Workshop der in Frankfurt/Main stattfindet und Hartz4-Beziehern erklären soll, dass mit dem Betrag der täglich für Nahrungsmittel aufgewendet werden darf/soll, durchaus gut, günstig und gesund gekocht werden kann.

Mirko Reeh "beweist" anhand eines Einkaufs von knapp 35€, dass man dafür 16 Personen verköstigen kann und genau an dieser Stelle geschieht der erste Denkfehler: Ein Hartz4-Empfänger wohnt kaum mit 15 anderen Personen zusammen und koordiniert den Einkauf.
Es ist viel eher davon auszugehen, dass viele Hartz-4 Bezieher in 1-3 Personenhaushalten leben.

Der nächste Denkfehler ist: Oft einkaufen gehen und möglichst frisch kaufen.
An sich ist die Idee gut, allerdings kostet der Einkauf im besten Falle "nur" Zeit, im schlechtesten Zeit und Geld. Beides sind Resourcen die auch ein Hartz4-Empfänger nicht unbeschränkt zur Verfügung hat.

Sicherlich ist es richtig wenn Mirko Reeh sagt, er könne eine Pizza billig herstellen, wahrscheinlich billiger als so manche TK-Pizza. Allerdings geht das nur, wenn man zu zweit 3-4 Tage lang Pizza isst oder die Reste einfriert.

Selber Brot zu backen mag billig sein... solange man das nicht dauernd macht und die Stromrechnung tragen muss. Je nach Backofen sind die Stromkosten erheblich.

Persönlich bin ich absolut kein Verfechter von Fertigkost und ich ziehe es oft vor Dinge selber zu kochen und vorzubereiten als auf "Fix-Für-Bla"-Chemie zurückzugreifen. Allerdings braucht ein ordentlicher Gemüsefonds ein paar Stunden auf dem Herd... was sich bei den Strompreisen in Deutschland tüchtig auf der Rechnung niederschlägt. Ist es da nicht sinnvoller, gekörnte Brühe zu verwenden?

Ja, man kann Geld sparen in dem man genau plant und selber kocht. Vor allem wenn man so einkauft und kocht, dass mehrere Mahlzeiten entstehen, die man einfriert und bei Bedarf auftaut, man Reste wiederverwertet und so plant das der Folgetag auf den Resten und der Basis der Vortags aufbaut. Es lohnt sich durchaus Pizza selber zu machen, wenn man eine italienische Woche plant mit Pasta, Pizza, Pizzabrot. Wurst- und Schinkenreste passen in die Sauce oder auf die Pizza.
Fleischreste können zu Kroketten verarbeitet werden (spanische Rezepte: im Internet nach "croquetas" suchen). Es lohnt oft nicht eine blanke Hühnerbrust zu kaufen: ganze Hühner sind billiger und können besser verwertet werden, die Brust kann man herauslösen, die Karkasse auskochen für eine Suppe oder ein Frikassee, die Schlegel kann man braten. Reste eines Brathähnchens kann man auslösen und zu Nuggets verarbeiten, die wiederaufgewärmte Hühnerbrust schmeckt hervorragend auf ein wenig Brot zusammen mit einer Barbecuesauce (oder Curry) und ein wenig Käse - wer es exotisch mag kann auch noch eine Scheibe Dosen-Ananas dazugeben.

Wie gesagt: Man kann durch Planung beim Kochen Geld sparen. Aber nicht so, wie es der Beitrag bei heute.de suggeriert. Dies ist Propaganda. Lieber sollte man die menchenverachtenden Hartz4-Maßnahmen abschaffen und die Sozialleistungen der Lebenswirklichkeit anpassen, zu der ab und zu auch mal Chips aus dem Supermarkt gehören dürfen.

Was hat eigentlich Mirko Reeh von dieser Aktion?

Bilderserie "Bauruinen in Spanien" - Teil 3 Cartagena, Bauruine statt Renovierung

Teil 1 gibt es hier.
Teil 2 ist hier zu finden.

Hinter alter Fassade ein Neubau. Jetzt eine Neubauruine.

Sonntag, 3. März 2013

Tip des Tages

Wer sich für Bilder, Fotos, Collagen usw. interessiert:

+Katja Müller hat den eigenen Blog unter die Creative Commons Lizenz gestellt. Es darf auch gerne geFlattrt werden.

Bilderserie "Bauruinen in Spanien" - Teil 2 Los Alcázares, wertlose Bauruinen

Zu Teil 1 geht es hier.
Eine Traumwohnung. Alptraum.
So sieht es aus, wenn ungelernte Arbeitskräfte Bauruinen erschaffen. 
Herausgerissene Fassungen und Kabel - Metalle sind wertvoll.
Mit Gewalt werden Leitungen und Rohre herausgerissen.
Diese Bauruine wird niemals beendet, geschweige denn bewohnt werden.
Das Unkraut wuchert meterhoch.
Risse im Mauerwerk. Qualität im Bau.
Hunderte solcher Wohnungen stehen leer und verfallen.
Die Garage ist komplett verfallen und läuft regelmässig mit Wasser voll.
Der Putz blättert von den Wänden.
Die Gartenanlage verwildert. Die Natur holt sich wieder was ihr gehört.
Wasserschäden an der Garageneinfahrt.
Die Natur gewinnt.
Unvollendet. 
So sieht eine Garagenruine nach nur fünf Jahren aus.
Insekten, Vögel, Katzen und Spinnen bewohnen die Anlage.
Plünderung und Verfall gehen Hand in Hand.
Direkt hinter der Ruine: Ein Golfplatz
Selbst mit der Aussicht lassen sich keine Wohnungen mehr verkaufen. 
Ein Wohnblock... von Dutzenden!  
Das Wetter setzt dem Mauerwerk zu. Pfusch wird erst nach 3-5 Jahren sichtbar. 
Selbstbedienung. Viele Wohnungen sind aufgebrochen worden.
Garagenruine.
Leitungen und Rohre sind in der Anlage Mangelware.
Nach nur 5 Jahren ist die Anlage unansehlich und verwittert. Wie mag es in weiteren 5 Jahren aussehen?
So sieht überteuertes spanisches Bauhandwerk aus. Wie wollen die Banken solche Immobilien noch verkaufen?
Das letzte Kupfer in der Anlage.
Ein Pool. Bereits jetzt ein Sanierungsfall.
"Notunterkunft" für Obdachlose und Drogensüchtige.


Kalender von 2008. Dann verschwanden die Arbeiter.