Sonntag, 24. Februar 2013

Pferdelasagne, Bioeier ohne Bio aber mit Dioxin, Mäusescheisse im Leinsamen aber billig muss es sein?

Vor ein paar Tagen sah ich auf Lebensmittelwarnung.de folgende Warnung:
Quelle: http://www.lebensmittelwarnung.de/bvl-lmw-de/app/process/warnung/detail17/12084
Gerade eben sehe ich via Google+ folgende Nachricht bei SPON:
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/betrug-mit-bio-eiern-staatsanwaltschaft-prueft-hunderte-agrarbetriebe-a-885185.html
Selbstverständlich dauert es nur Sekunden bis der erste Kommentator den Hauptschuldigen identifiziert hat: Der Verbraucher ist Schuld.
Ja der Verbraucher muss schuld sein, denn der Verbraucher, vor allem der deutsche, will billig, billig, spottbillig und besagter Wahn zum Sparen setzt die armen defizitären Nahrungsmittelproduzenten und -Konzerne so unter Druck, dass man die ohnehin nicht mehr vorhandenen Margen nur dadurch halten kann, dass man Leinsamen mit Mäusescheisse, Pferdelasagne und Dioxineier verkauft, oder auch mal Eier die Bio sein sollen, aber nicht Bio sind. Na sowas.

Aber irgendwas stimmt da nicht, etwas ist unlogisch. Sind Bio-Eier nicht erheblich teurer als "Käfigeier"? Bezahlt der Verbraucher nicht mehr dafür? Wurde nicht auch Pferd in Markenlasagne entdeckt? Findus ist zumindest in meiner Wahrnehmung nicht unbedingt das, was man einen "Billigheimer" nennt. Ja selbst die Alfons Schuhbeck-Konserven, die preislich jenseits von Gut und Böse rangieren waren mit Pferd beglückt worden. Ja wie kann denn dies sein, wenn es doch der böse Verbraucher ist, der nur billig will und nicht bereit ist gute, also teure Lebensmittel zu zahlen?

Aber ist dem denn so? Nun der Pferdefleischskandal ging ja auch durch britische und französische Mägen. Frankreich und UK sind nicht gerade durch eine mit Deutschland vergleichbare Einzelhandels- und Discounterstruktur bekannt. In beiden Ländern sind Lebensmittel oft teurer als in Deutschland. Auch dort: Pferdefleisch.

Selbst hier in Spanien hatten wir Pferdefleisch in Burgern, Lasagne etc. Hier wo doch so viele Menschen Markenprodukte kaufen, Cholesterin meiden und gerne auch Produkte kaufen die einen Zusatzwert haben wie Vitamine, weniger Fett, cholesterinsenkend wirken oder besonders gut für Kinder sind. Produkte die in Deutschland genauso beliebt sind. Produkte die im Vergleich sogar teurer sind als die "normalen".

Tatsächlich sieht es eher so aus, als ob da jemand auf "Teufel komm' raus" Profite zu maximieren gedenkt, dabei spielt es überhaupt keine Rolle, welches Produkt der Verbraucher letztendlich kauft, egal ob es "billig" oder teuer war, den Produzenten soll es so gut wie gar nichts kosten und muss maximierbare Profite abwerfen, egal was kommt. Wenn das bedeutet Pferdefleisch in Delikatesskonserven unterzubringen oder Eier aus Käfighaltung zu Bioeiern zu deklarieren, dann wird genau dies getan. 

Wenn man doch einmal, nach Jahren oder Jahrzehnten, erwischt wird kann man ja die Schuld auf den bösen Verbraucher abwälzen - der wollte ja billig. Frau Aigner die angebliche Verbraucherschutzministerin setzt weiterhin auf Selbstkontrollen, von denen sie ständig ankündigt, dass diese verschärft werden. Ich bin mir sicher, die Unternehmen kontrollieren sehr genau, wann sie welche Betrugsstrategie erfolgreich eingesetzt haben. Schliesslich muss man ja die Profitentwicklung im Auge behalten.

Zum Abschluss noch interessante Lektüre zu dem Thema: http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001246

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