Donnerstag, 7. März 2013

Falschinformation: Heute.de Beitrag: Gesund kochen für 2,50€/Tag

Gerade eben ist mir ein TV-Beitrag auf der Seite heute.de aufgefallen:

Gesund kochen für 2,50€?

Ein Workshop der in Frankfurt/Main stattfindet und Hartz4-Beziehern erklären soll, dass mit dem Betrag der täglich für Nahrungsmittel aufgewendet werden darf/soll, durchaus gut, günstig und gesund gekocht werden kann.

Mirko Reeh "beweist" anhand eines Einkaufs von knapp 35€, dass man dafür 16 Personen verköstigen kann und genau an dieser Stelle geschieht der erste Denkfehler: Ein Hartz4-Empfänger wohnt kaum mit 15 anderen Personen zusammen und koordiniert den Einkauf.
Es ist viel eher davon auszugehen, dass viele Hartz-4 Bezieher in 1-3 Personenhaushalten leben.

Der nächste Denkfehler ist: Oft einkaufen gehen und möglichst frisch kaufen.
An sich ist die Idee gut, allerdings kostet der Einkauf im besten Falle "nur" Zeit, im schlechtesten Zeit und Geld. Beides sind Resourcen die auch ein Hartz4-Empfänger nicht unbeschränkt zur Verfügung hat.

Sicherlich ist es richtig wenn Mirko Reeh sagt, er könne eine Pizza billig herstellen, wahrscheinlich billiger als so manche TK-Pizza. Allerdings geht das nur, wenn man zu zweit 3-4 Tage lang Pizza isst oder die Reste einfriert.

Selber Brot zu backen mag billig sein... solange man das nicht dauernd macht und die Stromrechnung tragen muss. Je nach Backofen sind die Stromkosten erheblich.

Persönlich bin ich absolut kein Verfechter von Fertigkost und ich ziehe es oft vor Dinge selber zu kochen und vorzubereiten als auf "Fix-Für-Bla"-Chemie zurückzugreifen. Allerdings braucht ein ordentlicher Gemüsefonds ein paar Stunden auf dem Herd... was sich bei den Strompreisen in Deutschland tüchtig auf der Rechnung niederschlägt. Ist es da nicht sinnvoller, gekörnte Brühe zu verwenden?

Ja, man kann Geld sparen in dem man genau plant und selber kocht. Vor allem wenn man so einkauft und kocht, dass mehrere Mahlzeiten entstehen, die man einfriert und bei Bedarf auftaut, man Reste wiederverwertet und so plant das der Folgetag auf den Resten und der Basis der Vortags aufbaut. Es lohnt sich durchaus Pizza selber zu machen, wenn man eine italienische Woche plant mit Pasta, Pizza, Pizzabrot. Wurst- und Schinkenreste passen in die Sauce oder auf die Pizza.
Fleischreste können zu Kroketten verarbeitet werden (spanische Rezepte: im Internet nach "croquetas" suchen). Es lohnt oft nicht eine blanke Hühnerbrust zu kaufen: ganze Hühner sind billiger und können besser verwertet werden, die Brust kann man herauslösen, die Karkasse auskochen für eine Suppe oder ein Frikassee, die Schlegel kann man braten. Reste eines Brathähnchens kann man auslösen und zu Nuggets verarbeiten, die wiederaufgewärmte Hühnerbrust schmeckt hervorragend auf ein wenig Brot zusammen mit einer Barbecuesauce (oder Curry) und ein wenig Käse - wer es exotisch mag kann auch noch eine Scheibe Dosen-Ananas dazugeben.

Wie gesagt: Man kann durch Planung beim Kochen Geld sparen. Aber nicht so, wie es der Beitrag bei heute.de suggeriert. Dies ist Propaganda. Lieber sollte man die menchenverachtenden Hartz4-Maßnahmen abschaffen und die Sozialleistungen der Lebenswirklichkeit anpassen, zu der ab und zu auch mal Chips aus dem Supermarkt gehören dürfen.

Was hat eigentlich Mirko Reeh von dieser Aktion?
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