Mittwoch, 24. April 2013

Eine Replik auf Prof. Dr. Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission - "Netzneutralität: Die Perspektive eines Wettbewerbsökonomen"

Replik auf diesen Eintrag im INSM-Blog.

Sehr geehrter Herr Haucap,


als Mitglied der Monopolkommission und als Wettbewerbsökonom hätte ich ein wenig mehr Sachverstand, oder sollte ich sagen überhaupt Sachverstand, erwartet.


Schauen wir uns Ihre Argumentation Schritt für Schritt an:



"Zunächst einmal ist grundsätzlich festzustellen, dass eine preisliche Differenzierung nach Nutzungsverhalten durchaus sinnvoll ist."


Für diese Affirmation bringen Sie weder ein positives Argument, noch einen Beweis, als ob dies eine in Stein gemeisselte Tautologie wäre.



"Die Internet-Backbones sind nicht kostenlos einfach da, sondern müssen bezahlt werden. Dass nun die „heavy user“, die viel nutzen, mehr zahlen sollen als „light user“ ist absolut vernünftig. Das ist auf fast allen anderen Märkten auch so."

1. Die Datenübertragungskosten sinken seit Jahren beständig, während die DTAG für das vom Steuerzahler geschenkte Netz keinen Cent hinlegen musste. 

2. Die DTAG ist als Netzbetreiber nicht defizitär, ewig steigende Gewinnmargen sind kein Argument sondern ein Dogma.
3. Der sogenannte "heavy user" kann in weniger als 24 Stunden das Limit erreicht haben. Herr Haucap, wie nenne Sie einen Dienst der auf monatliche Nutzung ausgelegt ist und der nach einem Tag Nutzung nur noch als "funktional kaputt" zu bezeichnen ist?

Wenn ich mir ein ICE-Monatsticket kaufe, welches mich nach einem Tag Nutzung auf die Regionalbahn verweist, denn halte ich den Begriff "ICE-Ticket" (oder Highspeed-Internet, Flatrate, etc) für Neusprech aus der Marketingabteilung und eine Lüge. Einen Verstoss gegen UWG sollte man eventuell auch prüfen.


4. "Das ist auf fast allen anderen Märkten auch so."

Wieder eine Affirmation die so nicht stimmt. Flatrates sind den Kunden nicht von den Netzanbietern aufgezwungen worden, sondern sind das Ergebnis einer logischen und konsequenten Marktentwicklung und der Notwendigkeit diese Art von Infrastruktur als notwendigen Basisdienst zu sehen.
Was in allen Märkten gleich ist, ist das Bestreben den Kunden so weit wie möglich abzumelken, was ehemaligen Monopolisten sehr gut gelingt.


"Bei einer vorher nicht vereinbarten Drosselung des Dienstes gibt es jedoch immer Sonderkündigungsrechte."
Das ist fraglich, denn die sogenannten "Datacaps" gab es beinahe immer schon, nur schlummerte dies meist im Kleinstgedruckten.


"Wenn die Telekom in ihren neuen Tarifen eine Chance sieht, Gewinn und Umsatz zu steigern, ist auch die Beschränkung von Datenvolumen und Priorisierung von bestimmten Diensten grundsätzlich nicht verboten."

Dies zu prüfen obliegt zum einen der Netzagentur. Sollte die Monopolkommission damit betraut werden, dann möchte ich hoffen das Sie bis dahin eine differenziertere Meinung angenommen haben.



"Wem das missfällt, der kann ziemlich problemlos den Anbieter wechseln und sollte das auch tun. Der Breitbandwettbewerb hat sich auch Dank der Kabelanbieter in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Wer nicht wechselt, wenn ihm sein Anbieter missfällt, ist selbst schuld."

An dieser Stelle müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, von der Materie nicht die geringste Ahnung zu haben. Der Breitbandausbau in Deutschland findet unter Ausschluss der Gemeinden und Dörfer statt. Die Tatsache das es in Städten mitunter 2, 3 oder mehr Wettbewerber gibt, sagt nichts über die Situation am Stadtrand aus! Abgesehen davon findet der Wettbewerb in den meisten Fällen auf dem Netz der Telekom statt, dass dieser bekanntlich par ordre mufti vom Steuerzahler geschenkt bekam, während der Wettbewerb diese Netze mühsam aufbauen muss.



"Die Idee, dass der Staat alle Anbieter zu einem möglichst gleichförmigen Angebot mit möglichst gleichen Tarifen zwingen soll, ist furchterregend."

Viel furchterregender ist die Tatsache, dass ein ehemaliger Monopolist der im Besitz der einzig flächendeckenden Infrastruktur ist, es sich erlauben kann solche Änderungen anzukündigen und dabei von einem Mitglied der Monopolkommission unterstützt wird. Haben Sie ihren Auftrag eventuell missverstanden?



"Der Wettbewerb lebt davon, dass Kunden ihren Anbieter wechseln, wenn er ihnen nicht gefällt."

Bitte erklären Sie dies den Kunden, die keine Alternativen haben. Ich bin gerne bereit solche Treffen zu vermitteln und sorge dafür dass die Beschwerdeträger ausreichend mit Mistgabeln und Fackeln versorgt werden.



"Aufgabe des Staates ist es nicht, für ein möglichst homogenes Durchschnittsangebot für alle zu sorgen [...]"

Ich gehe nicht davon aus, dass Ihnen das Konzept einer obligatorischen Grundversorgung bekannt ist, oder?


Nachtrag:
Bandbreite und Datenrate sind zwei verschiedene Dinge: http://myweb3.hs-harz.de/mkreyssig/af/pdf/BandbreiteDatenrate.pdf

Damit es auch hier nochmal ganz klar und deutlich gesagt wurde:

Wenn es der Telekom wirklich um eine bessere Resourcenverteilung (ergo Datenrate) ginge, dann würde sie mehr Menschen eine geringere Datenrate (= maximaler Datendurchsatz) zubilligen und nicht damit werben, dass schnellste Netz zu haben.

Weiterhin ergibt sich ein Paradoxon:

Der Nutzer kann nicht auswählen, wann denn sein "schnelles" Datenvolumen aktiviert ist. Statt dessen wird es generell und für alle am Anfang des Abrechnungszeitraumes freigeschaltet (siehe analog im Mobilfunk). Wenn also eine Netzüberlastung tatsächlich der Grund für die EInführung der Datacaps wäre, dann würde das Netz der DTAG am Anfang des Monats vollkommen kollabieren und erst im Schnitt ab Tag 3-7 des neuen Abrechungszeitraumes benutzbar werden, was dem Nutzer aber nichts bringt, denn an dieser Stelle ist das "Inklusivvolumen" der "Volumenflat" ja aufgebraucht und statt ICE fährt man jetzt Regionalbummelbahn.

Zweiter Denkfehler: Als Traffic wird laut Telekom sowohl eingehender als ausgehender Verkehr angerechnet. Wie geht man den mit UDP-Paketen um, die unangefordert empfangen werden? Sobald die IP-Adresse bekannt ist kann ein beliebiger anderer Teilnehmer diesen mit UDP-Traffic bombardieren und somit willentlich den Traffic eines Dritten hochjagen. Das wäre eine neue Form des digitalen Vandalismus. Kann das gewollt sein?

Herr Haucap, dass was die Telekom da treibt hat weder Hand noch Fuss und ist vor allem nicht durchdacht worden. Es ist schädlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland, schädlich für die Innovation und stellt praktisch einen Internet-Zoll dar. Durch die Ausnahme bestimmter Dienste von diesem Zoll führt die Telekom einen Internet-Merkantilismus ein.

Wenn die Sie oder die Monolpolkommission nicht die Qualifikation besitzen um die sich ergebenden Probleme zu erkennen, dann sind Sie doch hoffentlich in der Lage entsprechende externe Berater anzurufen und sich den Sachverstand so einzuholen. Wenn sie, wie hier offensichtlich geworden ist, dem Thema fachlich nicht gewachsen sind, dann sollten Sie sich einer solchen Aussage im Zusammenhang mit Ihrer Stellung verkneifen. So wie es jetzt aussieht, sind sie als Mitglied der Monopolkommission untragbar.  

Nachtrag 2:

Ich habe auf Youtube ein kleines Werbevideo gefunden, welches genau auf die aktuelle Einstellung der DTAG passt: 




Nachtrag 3 vom 25.4.2013:

In einem Gespräch auf Twitter zwischen @presseschauer und @haucap konnte man gestern Nacht sehen, mit welch sauberen Argumenten der Herr Haucap so arbeitet:

Wer seiner Argumentation nicht folgt ist dann eben ahnungslos.

Dienstag, 23. April 2013

Glosse des Tages - DTAG: Deutsche Telekom - Fragen und Antworten zur DSL-Drossel

Fragen und Antworten

23.04.2013
Angesichts des rasanten Datenwachstums stellt die Telekom die Tarifstruktur für Internetanschlüsse im Festnetz um. Wir wissen einfach nicht mehr wohin mit den ganzen Daten. Vielleicht kann uns ja Dropbox, Amazon oder Google erklären wie die die Daten halten und welches Futter die benötigen. Irgendeiner sprach von Cookies, aber wir können uns nicht vorstellen, dass man sich nur davon ernähren kann. Ausserdem braucht unser Vorstand neue Milliardenboni, wir haben es gerade erst geschafft die Verluste die von Ron Sommer  und der Obermännchen eingefahren wurden in der Bilanz zu verstecken. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den neuen Tarifstrukturen geben wir hier nicht, aber lesen Sie ruhig weiter.
Warum führt die Telekom auch im Festnetz Volumentarife ein?
Wir wollen den Kunden auch in Zukunft mit wenig Arbeit und ungenügender Infrastruktur das Geld aus der Tasche ziehen, dafür investieren wir weiterhin Milliarden in Managerboni und sinnlosen Auslandsaquisitionen um ein Global Player zu werden. Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren, naja eigentlich schon, aber eben nicht wenn die gesamte obere Managementetage sich pro Jahr zwei Häuser am Tegernsee leisten möchte, ausserdem sind die Kontoführungsgebühren in der Schweiz gestiegen, vor allem bei den Banken die nach wie vor Wert auf Diskretion legen. Den Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen werden wir in Zukunft mehr berechnen müssen, naja eigentlich müssen wir nicht, aber wir wollen, also werden wir es machen und die Kunden werden es bezahlen, schliesslich sind wir ja immer noch so gut wie Monopolist, gelle? Volumentarife sind im Mobilfunk längst üblich, also sind die Kunden an Abzocke ohnehin gewöhnt. Warum also liebgewonnene Gewohnheiten aufgeben. Und sie haben den Vorteil, dass wir an den Kunden mehr verdienen müssen, die das Internet beruflich, schulisch oder künstlerisch nutzen.
Wie wird die Beschränkung eingeführt?
Die Einführung der neuen Tarife erfolgt schleichend: Zunächst werden zum 2. Mai 2013 die Leistungsbeschreibungen für neue Verträge angepasst, natürlich ins Kleinstgedruckte, wie es sich für einen guten Konzern gehört. Bestehende Verträge sind von den Änderungen nicht betroffen, zumindest sagen wir das heute. Morgen kann das schon anders sein, wir werden die betroffenen Kunden selbstverständlich spätestens dann informieren, wenn 3-5 Reklamationen pro betroffenen Kunden eingegangen sind. Oder auch nicht, whatever. Wann die Telekom die Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich einführt, hängt von der Willkür und Geldgier gelangweilter Produktmanager ab. Wir gehen bisher davon aus, dass wir die Limitierung technisch nicht vor 2016 umsetzen, schliesslich arbeiten wir hier mit Vollprofispezialisten von T-Systems. Vorher bekommen Kunden die Möglichkeit, ihren tatsächlichen Datenverbrauch im Kundencenter im Internet nachzuvollziehen, naja was heisst schon "nachvollziehen", wir aktualisieren den Zähler mittels einer random-Funktion und schauen wer es merkt. Mit der Umsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzung wird die Telekom Zubuchoptionen einführen, schliesslich wollen die gelangweilten Produktmanager mal wieder neue Produkte kreiern. Damit können Kunden über das integrierte Volumen hinaus das Internet mit Hochgeschwindigkeit nutzen, ausser Youtube, denn das bekommen wir nicht hin. Die Details der Zubuchoptionen wird die Telekom rechtzeitig bekannt geben, aber wir sind sicher das wir einen guten Schnitt machen.
75 Gigabyte sind doch viel zu wenig!
Im Schnitt verbraucht ein Kunde heute 15 bis 20 Gigabyte (GB). Wenigstens gilt das für unsere Referenzgruppe im Altenheim Waldesruh in der Nähe unserer Konzernzentrale. Das geringste integrierte Datenvolumen wird 75 GB betragen. Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming, also mehr als ausreichend für jemanden der einen Hauptberuf hat und mindestens 2 Nebenjobs um sich das Leben in Deutschland leisten zu können. Leistung muss sich wieder lohnen und Prokastrination im Internet muss man sich auch leisten können, also geht arbeiten ihr faules Pack!
Warum erhöht die Telekom nicht einfach die Preise für alle?
Das wäre ja doof und würde die Bundesnetzagentur auf den Plan rufen. Indem wir "mimimimi Netzüberlastung" rufen und dann die Netzneutralität kaputtmachen wecken wir doch keinen Beamten auf!
Will die Telekom nicht einfach nur abzocken?
Von Abzocke kann keine Rede sein, also ein klares JA. Vorteil der Volumentarife ist, dass damit in Zukunft alle Kunden mehr zahlen müssen. . Grundsätzlich gilt: Die Telekommunikationsbranche in Deutschland insgesamt verzeichnet sinkende Umsätze bei steigenden Gewinnen, für ein börsennotiertes Unternehmen ist das nicht hinnehmbar, denn wir benötigen steigenden Umsatz bei raketengleich steigenden Gewinnen, so wie die Strombranche. Gleichzeitig stehen Milliardeninvestitionen in den Breitbandausbau an die wir uns nicht leisten wollen, schliesslich hat uns der Staat das Netz geschenkt, jetzt sollen die gefälligst auch den Ausbau bezahlen, wo kämen wir hin wenn wir Investitionen tätigen müssten? Es muss für Unternehmen die Möglichkeit geben, mit Investitionen Geld zu verdienen... sagt zumindest die FDP. Leistung anderer muss sich für uns lohnen. Oder so.
Was ist mit Entertain?
Wissen wir auch nicht. Nutzt das irgendwer? Keine Sorge, bald werdet ihr müssen, da wir euch Youtube, Hulu, Netflix, Amazon und Co wegnehmen werden.
Was ist mit Sprachtelefonie?
Benutzt das jemand? Das Skypen werden wir euch abgewöhnen, Hangouts sind für uns ja auch so ein rotes Tuch... Benutzt doch das Telekom-Netz, wir führen bald interessante Minuten-Pakete ein.
Und was ist mit Fon?
Teilen Kunden künftig über WLAN TO GO (Kooperation mit Fon) ihr WLAN mit anderen Nutzern, läuft das hierbei erzeugte Datenvolumen separat und wird für das Volumen des Kunden ebenfalls nicht angerechnet. Wenn ihr also schlau seit, macht ihr das Filesharing über den FON-Zugang, da gibt es auch keine Störerhaftung!
Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?
Was?!
Was kann ich machen, wenn ich mein Volumen aufgebraucht habe?
Die tatsächliche Umsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzung erfolgt frühestens 2016, oder zu einem beliebigen Zeitpunkt früher, denn verbindlich ist nur was im Vertrag steht und nicht auf einer FAQ-Seite die wir in 5 Minuten editieren können. Naja sobald wir jemanden bei T-Systems gefunden haben der HTML und CSS kann.

Montag, 15. April 2013

Kurz verbloggt:

Google+, Facebook, Twitter, Usenet... überall wird geschrieben, diskutiert und oft auch gestritten oder beschimpft.

Eine Gesetzmässigkeit ist mir aufgefallen, die ich an dieser Stelle als "Rafaels Postulat" verewigen möchte:

Die Person des Aussagenden beeinflusst die Aussage.

Der Google Reader ist tot, es lebe RSS!

Eine kleine Anmerkung am Rande:

Obwohl Google den Reader abstellt, scheint RSS als Standard alles andere als tot zu sein. Während vor der Ankündigung eines unnatürlichen Todes hier in meinem Blog kaum Traffic per RSS kam, so generieren RSS Reader gut 300-400 Besuche pro Tag, was bei meinem aktuellen Besucherzahlen 35-40%  der Leserschaft ausmacht.

Damit hat der Tod des Reader dem Standard RSS wohl tatsächlich gut getan. Ich habe nachdem ich vom verstaubten Reader zu Feedly gewechselt bin, meine Feeds auch entstaubt und einiges neuorganisiert und neue Feeds und Nachrichtenquellen hinzugekommen.

Samstag, 13. April 2013

Bilderserie "Bauruinen in Spanien" - Teil 5 Los Alcázares, Diverses

Teil 3 ist hier zu finden.
Teil 4 ist hier zu finden.

Unbebaute aber erschlossene Parzelle am Strand. Hier passiert nichts mehr.
Tolle Aussicht für die (wenigen) Anwohner. 
Kilometerlang gar nichts.
 Für Landschaftspflege ist Geld da.


Hier sollten Eigenheime und Ferienwohnungen stehen.
Statt dessen sieht man nur Leere. 






Die Sonne verbrennt beinahe alles. Unbenutzte Infrastruktur verkommt zusehends.


Heute 68.000€. Ein Wertverfall von 60% in 3 Jahren.



Dienstag, 9. April 2013

Wenn...

Wenn die letzte Freiheit verwirkt,
das letzte Leistungsschutzrecht beschlossen,
die Bestandsdatenauskunft normal,
der Bundeswehreinsatz im Inneren Tagesgeschäft,
Politikerkorruption kein Thema
und der Bundestrojaner flächendeckend eingesetzt wird...


... werden die Piraten begreifen das man mit Genderthemen keine Wahlen gewinnt.

Montag, 8. April 2013

Früher waren weniger Sozialpädagoginnen

Die Piratenpartei - einst Hoffnung auf Redemokratisierung, Beteiligung, Transparenz, "hack the Planet and make it better" und nun eine herbe Enttäuscht.

Früher(TM) bestanden die Piraten aus Sysadmins, Technikern, Wissenschaftlern, Geeks, Nerds und insgesamt aus Leuten die vor allem dadurch glaubhaft und sympathisch wurden, weil sie dadurch auffielen ihren Verstand zu gebrauchen. Das war in der Politik etwas vollkommen neues und bei den Wählern wuchs die Erwartung das wenn man endlich nicht mehr nur Vollpfosten in die Parlamente wählen würde, vielleicht sich ja mal etwas zum Besseren würde ändern lassen können.

Dieses Ausstrahlung und dieses Flair liess die Piraten einige Wahlen gewinnen. Damit verbunden: Die Partei wuchs in beinahe alptraumhaften Ausmassen und konnte einige Achtungserfolge bei den etablierten Politikern und Parteien verbuchen.

Allerdings kamen mit den Erfolgen auch Karrieristen die bei anderen Parteien gescheitert waren und sich von den Piraten einen sicheren Listenplatz, Ruhm und Ehre oder eine Pateikarriere versprachen. Es kamen U-Boote und plötzlich sollte man alle möglichen verschiedenen und teilweise konträren Ideologien in einer Partei integrieren.

Herausgekommen ist zum heutigen Stand eine Art "Die Grüninnen 2.0 Partei", bei der plötzlich Heilpraktiker und Werbefachleute den Ton angeben, Theaterpädagogen in geschäftsführender Position ist und es einen Parteivorsitzenden der bei der Bundeswehr arbeitet (insert here your favourite Verschwörungstheorie).

Die Partei ist dem Wähler in letzter Zeit vor allem durch eines aufgefallen: Shitstorms, Buchveröffentlichungen einiger prominenter Piraten, Shitstorms, interne Querelen, Shitstorms und einem Shitstorm zu feministischer Kackscheisse vulgo irgendsoein Genderthema was den Sozialpädagoginnen sicher sehr wichtig war.

Schlaue Leute, also Techies und Nerds, hatten in der Satzung ein Ideal festgeschrieben: Postgender. Statt dieses Ideal zu leben und zu propagieren sind Generthemen in der Partei so beliebt wie nie zuvor - darüber können Sozialpädagoginnen tagelang schwadronieren ohne jemals irgendetwas gesagt zu haben. Tatsächliche "harte" Themen liegen den globuliaffinen Erziehern (genderneutral) und Werbefuzzis (pejorativ, genderneutral) nunmal nicht so, da könnte die Basis der Eigenen intelektuellen Minderbewaffnung gewahr werden, also lieber weiter schrill kreischen (dank patriarchalischer Mikrofonverschwörung garantiert) und Genderthemen zu einem Thema machen. Nicht das man Themen anspricht, die den Wähler interessieren, denn mit Gender kann man bekanntermassen den Wähler so richtig anziehen und gewinnen... äh nein, eben nicht.

Die meisten Techies und Nerds die ich kenne schütteln angesichts des Panoramas den Kopf und überlassen das (Schlacht-)Feld den Lautsprechern aus der Globuli- und Heilpraktikerfunktion. Kein Wunder, denn mit solchen Leuten kann man nicht diskutieren oder zusammenarbeiten.

Die Piraten schienen eine neue Partei der Vernunft zu sein, ein Heim für Skeptiger, Atheisten, Menschen die tradierte Verhaltenweisen hinterfragen und etwas neu und besser machen wollten. Gekapert worden sind die Piraten von Heilpraktikern, Homöopathen, Lobbyisten mit eigener Agenda und Leuten die der Meinung sind es brauche eine Chimäre auch FDP und Grüne mit einem Faible für Netzpolitik.

Es gibt immer noch einige Piraten die hoffen, die warten das die Selbstheilung eintritt wenn die nächste grosse Wahl verloren wird, wenn Karriereträume platzen und Austritte eine Katharis einleiten. Andere Ex-Piraten haben sich bereits abgewandt von der Partei und schütteln entsetzt bis verzweifelt den Kopf wenn die nächste Sau durch's Twitterdorf getrieben wird.


So long Piraten, and thanks for all the popcorn. 

Denen die (politisch) aktiv bleiben wollen um etwas zu erreichen und zu ändern: Unterstützt lieber den CCC, den ehemaligen Foebud wie immer der jetzt heisst und die diversen netzaffinen AKs. Die Piraten sind so wie sie jetzt strukturiert und aufgestellt sind nicht wählbar.

Sonntag, 7. April 2013

Gerücht: Google kauft Whatsapp - alle Jahre wieder

Das Gerücht das  die Firma (und das Produkt)  kaufen würde gab es immer wieder. Vor knapp 2 Jahren habe ich das vehement bestritten: Meiner *Meinung* nach macht es keinen Sinn denn:

- Whatsapp nutzt den XMPP-Standard den Google länger und besser beherrscht
- Die Userbasis von Whatsapp jenseits von Android ist für Google nur sekundär interessant in dieser Angelegenheit
- Jeder Whatsapp-Nutzer auf Android ist zu mehr als 90% auch Google-Kunde, warum sollte man Geld ausgeben für Kunden sie man schon hat?
- Technologisch bietet Whatsapp nichts, was Google nicht schon jetzt kann, wobei Google mehr Nutzer hat und mehr Funktionen bietet als es Whatsapp derzeit macht.
- Das Letzte was Google braucht ist noch eine Messaging-Platform die mit den anderen die man betreibt unkompatibel ist und sich den selben Protokollstandard teilt.
- Das Geld könnte man sinnvoller aus dem Fenster werfen.

Dennoch taucht das Gerücht periodisch auf, also frage ich mich: WARUM???
Welche Gründe könnte es denn geben, die Whatsapp für Google interessant machen?
Die Diskussion ist eröffnet! 


Diskussionsbeiträge bitte wenn möglich bei Google+.