Montag, 8. April 2013

Früher waren weniger Sozialpädagoginnen

Die Piratenpartei - einst Hoffnung auf Redemokratisierung, Beteiligung, Transparenz, "hack the Planet and make it better" und nun eine herbe Enttäuscht.

Früher(TM) bestanden die Piraten aus Sysadmins, Technikern, Wissenschaftlern, Geeks, Nerds und insgesamt aus Leuten die vor allem dadurch glaubhaft und sympathisch wurden, weil sie dadurch auffielen ihren Verstand zu gebrauchen. Das war in der Politik etwas vollkommen neues und bei den Wählern wuchs die Erwartung das wenn man endlich nicht mehr nur Vollpfosten in die Parlamente wählen würde, vielleicht sich ja mal etwas zum Besseren würde ändern lassen können.

Dieses Ausstrahlung und dieses Flair liess die Piraten einige Wahlen gewinnen. Damit verbunden: Die Partei wuchs in beinahe alptraumhaften Ausmassen und konnte einige Achtungserfolge bei den etablierten Politikern und Parteien verbuchen.

Allerdings kamen mit den Erfolgen auch Karrieristen die bei anderen Parteien gescheitert waren und sich von den Piraten einen sicheren Listenplatz, Ruhm und Ehre oder eine Pateikarriere versprachen. Es kamen U-Boote und plötzlich sollte man alle möglichen verschiedenen und teilweise konträren Ideologien in einer Partei integrieren.

Herausgekommen ist zum heutigen Stand eine Art "Die Grüninnen 2.0 Partei", bei der plötzlich Heilpraktiker und Werbefachleute den Ton angeben, Theaterpädagogen in geschäftsführender Position ist und es einen Parteivorsitzenden der bei der Bundeswehr arbeitet (insert here your favourite Verschwörungstheorie).

Die Partei ist dem Wähler in letzter Zeit vor allem durch eines aufgefallen: Shitstorms, Buchveröffentlichungen einiger prominenter Piraten, Shitstorms, interne Querelen, Shitstorms und einem Shitstorm zu feministischer Kackscheisse vulgo irgendsoein Genderthema was den Sozialpädagoginnen sicher sehr wichtig war.

Schlaue Leute, also Techies und Nerds, hatten in der Satzung ein Ideal festgeschrieben: Postgender. Statt dieses Ideal zu leben und zu propagieren sind Generthemen in der Partei so beliebt wie nie zuvor - darüber können Sozialpädagoginnen tagelang schwadronieren ohne jemals irgendetwas gesagt zu haben. Tatsächliche "harte" Themen liegen den globuliaffinen Erziehern (genderneutral) und Werbefuzzis (pejorativ, genderneutral) nunmal nicht so, da könnte die Basis der Eigenen intelektuellen Minderbewaffnung gewahr werden, also lieber weiter schrill kreischen (dank patriarchalischer Mikrofonverschwörung garantiert) und Genderthemen zu einem Thema machen. Nicht das man Themen anspricht, die den Wähler interessieren, denn mit Gender kann man bekanntermassen den Wähler so richtig anziehen und gewinnen... äh nein, eben nicht.

Die meisten Techies und Nerds die ich kenne schütteln angesichts des Panoramas den Kopf und überlassen das (Schlacht-)Feld den Lautsprechern aus der Globuli- und Heilpraktikerfunktion. Kein Wunder, denn mit solchen Leuten kann man nicht diskutieren oder zusammenarbeiten.

Die Piraten schienen eine neue Partei der Vernunft zu sein, ein Heim für Skeptiger, Atheisten, Menschen die tradierte Verhaltenweisen hinterfragen und etwas neu und besser machen wollten. Gekapert worden sind die Piraten von Heilpraktikern, Homöopathen, Lobbyisten mit eigener Agenda und Leuten die der Meinung sind es brauche eine Chimäre auch FDP und Grüne mit einem Faible für Netzpolitik.

Es gibt immer noch einige Piraten die hoffen, die warten das die Selbstheilung eintritt wenn die nächste grosse Wahl verloren wird, wenn Karriereträume platzen und Austritte eine Katharis einleiten. Andere Ex-Piraten haben sich bereits abgewandt von der Partei und schütteln entsetzt bis verzweifelt den Kopf wenn die nächste Sau durch's Twitterdorf getrieben wird.


So long Piraten, and thanks for all the popcorn. 

Denen die (politisch) aktiv bleiben wollen um etwas zu erreichen und zu ändern: Unterstützt lieber den CCC, den ehemaligen Foebud wie immer der jetzt heisst und die diversen netzaffinen AKs. Die Piraten sind so wie sie jetzt strukturiert und aufgestellt sind nicht wählbar.

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